Ich denk' mal

Innere Monologe

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                  ISBN: 978-1497578456                   

Preis: 4,50 Euro

 


Klappentext

   

Wir haben Navis, die uns sagen, wo es langgeht. Wir haben iPods und Radios, die uns von früh bis spät beschallen. Wir haben PlayStations und Game Boys, die uns rund um die Uhr unterhalten. Wir haben Handys, die uns jederzeit miteinander verbinden und jeden Augenblick festhalten. Wir haben Google und Wikipedia, die uns alle Fragen in Sekundenschnelle beantworten. Die Medien und das Internet sagen uns,was wir denken sollen, wie wir reden sollen, was wir essen sollen und was wir kaufen sollen. Was macht das mit uns? Werden wir verlernen uns zu orientieren, uns zu beschäftigen, einander zuzuhören oder einfach abzuschalten und die Stille auszuhalten?  

 

Ich denk' mal. Innere Monologe hört dem Gehirn beim Denken zu, in alltäglichen Situationen und zwischendurch, und zeichnet seine bizarren Sprünge, Urteile und Erinnerungen im O-Ton auf. 


 

Inhalt 

Aufgelesen * Ich hab' ein Geheimnis * Gelobt sei Google! * Ich shoppe, also bin ich * Dumm gelaufen * Aber bitte mit Schoki! * Voll orientiert * Bedudelt * Alles im Kasten * Aufgelesen * Korrekt gedacht

 

Leseproben

Aufgelesen

 

Mal wieder voll hier, wie jeden Morgen, dicke Luft, und alle gucken nach unten auf irgendei­nen vier­eckigen blinkernden Kasten, keiner bietet einem einen Platz an, hallo, können Sie da vielleicht Ihre Füße wegnehmen? Danke, jetzt kannst du auch weiter in dein Handy glotzen und daddeln, bitte­ schön. Gott, das Ge­piepse nervt, vor allem, weil ich mein Handy vergessen hab', sonst würd' ich doch auch, halbe Stunde bis Stuttgart, wie halt ich das bloß aus? Wenn nicht wieder Baustelle ist ir­gendwo, oder Triebwagen kaputt, oder Selbstmör­der, arme Kerle, aber warum immer auf meiner Strecke? Oder, lieben wir alle am meisten: Störun­gen im Betriebsablauf! Klar, danke schön, es läuft nicht, weil es nicht läuft, total logisch! Ich hab auch immer wieder Stö­rungen im Betriebsablauf da­heim, aber was hilft's, die Wäsche wäscht sich nicht von selbst, auch wenn sie bald in jeden Socken ein Stück Elektronik packen, das anzeigt, wann er zu waschen ist und mit welchem Weichspüler und wo der zweite sich versteckt hat! Der piepst dann, piepsende Socken im Duett! Un­gefähr genauso furchtbar wie Handy-Klingel­töne, mal ruft der Imam, mal kräht der Hahn, oder, besonders origi­nell: es klingelt, lol! Oder klassisch, Beethoven, für Bildungssnobs, guckt doch mal wie kultiviert ich bin! Da-da-da-dammm! Soll ja wohl individuell sein oder so. Individuell ist immer gut, vor allem wenn man dran verdienen kann, und jeder Tag ein neuer individueller Klingelton ist billiger als jeden Morgen frische Socken – was das wieder mufft hier!

 

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Gelobt sei Google!

 

Seit Wochen hör ich nur noch Krim, Krim, nix als Krim, was oder wo ist das eigentlich? Krim­sekt, das gab's doch früher mal, als die Russen noch die Bösen waren und wir dieGuten. Heute verliert man total den Überblick, jetzt soll wieder Putin der Böse sein, aber die Ame­rikaner sind ja nun auch keine Unschuldsläm­mer, ich sag nur: Drohnen! Guantanamo!! NSA!!! Nee, ist alles nicht so einfach mit der Politik, und eigentlich geht's dann doch wieder nur um Geld, wenn man genauhinschaut. Deshalb schaut man ja schon nicht mehr. Na gut, aber man muss ja informiert sein, bisschen we­nigstens, man kann ja nicht immer nur den Mist weiter erzählen, den man im Fernsehen hört. Frü­her hätte man noch in einLexikon ge­schaut, Brock­haus und so, dicke Wälzer, im­mer ein bisschen staubig, ich riech es geradezu, und ganz klein ge­druckt und wenig Bilder, nee! Natürlich, sah noch nach was aus im Bü­cherregal, wenn man jetzt den Kindle hinstellt, sieht's ja nicht so prall aus. Ande­rerseits. Der LCD-Fernseher braucht ja auch Platz, und Bü­cher machen so viel Staub.  

 

Also googeln wir mal ein bisschen, hab eh nichts besseres zu tun: "Krim" – natürlich, gleich als erstes Wikipedia, ist ja immer ein bisschen lang, aber was hilft's, dafür kostet es nix, eigentlich ein Wunder, oder? Ach guck, so ein kleines Zipfelchen ist die Krim nur, da ganz unten, ist ja beinahe eine ganze Insel, keine halbe, hängt kaum dran amFestland! Inseln sind ja schön zum Urlaub machen, Sylt, Mal­lorca, Malediven! Reif für die Insel, sagt man nicht so? Sind wir zwar alle, aber was meint man eigent­lich damit? Haben alle eine Klatsche auf der Insel oder was? Nee, wahrscheinlich nicht, wahr­schein­lich eher Einsamkeit und Er­holung und so, jeder ein kleiner Robinson auf seinem Insel-Impe­rium, kein Stress außer run­terplumpsenden Ko­kosnüssen und schnat­ternden Affen. Andererseits. Kein WLAN und Handyempfang, Gott, das würde doch nun wirklich keiner aushalten, so ganz mit sich und der Natur alleine!

 

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Ich shoppe, also bin ich 

Was man nicht alles in der Zeitung liest! Ist ja et­was unhandlich, diese Blatt, aber wenn es schon rumliegt hier in der U-Bahn, und das blöde Handy geht mal wieder nicht, Akku alle, wahrscheinlich sollte ich doch ein neues kau­fen. "Deutschland wieder Meister im Export­überschuss!" Na klar, wir sind doch überall Meister, oder? Wo ist das Prob­lem? Ach so, wir nehmen zu viel Geld ein und ge­ben zu wenig aus. Und weil man Geld einnehmen nicht ver­bieten kann, muss man eben mehr ausge­ben. Sagen die Experten, die müssen's ja wissen. Binnennachfrage nennt man das, komisches Wort, erinnert an Binnengewässer, plätschern so dahin. Oder auf Rechnungen steht manch­mal, ich solle binnen zweier Wochen endlich das Geld ab­drü­cken, wenn ich das Bezahlen mal wieder ver­gessen habe, soll ja vorkommen. Wenn ich noch mehr kau­fen soll, muss ich na­türlich noch mehr Rechnungen bezahlen, bin­nen oder nicht binnen. Am besten wäre es doch, wir machen gleich das ganze Jahr Weih­nachten! Naja, Ostern ist ja schon halb Weih­nachten, und dann noch was für die Herzaller­liebste am Valentinstag, und am Mutter­tag, so­wieso, notfalls auch am Väter- und Kinder­tag, und wenn sonst nix ist, hat bestimmt schon wieder je­mand Geburtstag oder Jubiläum oder was nicht. Und von wegen, Liebe kann man nicht kau­fen! Blödsinn, Gehirnwäsche, Propa­ganda. Klar kann man, ist doch logisch: Wer einem mehr wert ist, dem schenkt man auch mehr! Was denn sonst? Als wir frisch verliebt waren, was hat er mir nicht ge­schenkt. Und die Kinder, wenn sie noch klein und niedlich sind, man kann ja gar nicht anders, als ihnen alles kaufen! Aber später bekommt man nichts mehr geschenkt. So ist das Leben. Und was soll man auch den Leuten noch schenken? Haben doch schon alles, und dann noch ein bisschen mehr. Unnützes Zeug, das meiste. Aber gut, die Bin­nennachfrage. Schenken wir halt noch mehr unnützes Zeug, wenn es der Industrie und dem Land hilft, jawoll!

 

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Dumm gelaufen 

Jetzt ist die blöde Karre kaputt, und ich muss doch noch Max vom Fußball abholen! Warum kann ereigentlich nicht mal zu Fuß gehen, beim Fußball laufen sie doch auch, oder? Das gleiche mit Ronja, beim Ballett kann sie hüpfen wie ein Weltmeister, aber wehe, sie soll mal zur Schule laufen! Und von wegen Ballett! Ist ja auch alles nur, damit sie ein Tutu kriegt und als Supermodel später nicht stol­pert auf demCatwalk! Können doch nicht alle Su­permodel werden, aber nein, geht nicht rein in den Kopf, da hilft alles Geföhne mit Haargel nix. Könnte zur Abwechslung ja mal was Ordentliches ler­nen, Bank oder Büro oder so. Oder Briefträger, die müssen auch viel zu Fuß gehen, gibt es ei­gent­lich auch Briefträgerinnen? Sind wahr­scheinlich inzwischen mobile Kommunikati­onsmanager mit der Lizenz zumStempeln, aber total fit! Für die brauchen wir die Bürger­steige noch, sonst könnten wir sie auch dem­nächst einreißen, geht sowieso keiner mehr zu Fuß, gibt gleich mehr Platz für Parkstreifen und Tiefgaragen. Oder Rolltreppen, ganz lange, so wie auf dem Flughafen, gibt's in grö­ßeren Outlet-Centern ja jetzt schon, das Ge­renne mit all den Tüten ist auch wirklich zu blöd. Wenn das mit den High Heels so weiter geht, kann so­wieso bald keine Frau mehr lau­fen, wozu auch? Entweder man fährt ins Out­let, oder geshoppt wird von zuhause, von Amazon bis Zalando, in Pu­schen. Nee, kleiner Scherz, shoppen geht immer, klar, bis die Ze­hen bluten und wir auf dem Zahn­fleisch ge­hen!

 

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Aber bitte mit Schoki!  

Jetzt ist schon wieder die Truhe leer, warum hat eigentlich wieder keiner eingekauft? Tief­kühl-Pizza ist alle, keine Tiefkühl-Pommes, noch nicht mal mehr Eiscreme, nur Erbsen, von wann sind die ei­gentlich? Mehr Eisklumpen als Grün dran. Und was ist in diesen komischen blauen Beuteln? Hun­dert Jahre liegen die da schon, prähistorisch wahr­scheinlich. Sollte man ja eigentlich Schilder drauf machen, Inhalt und Haltbarkeit und so, lol! Als hätte man sonst nichts zu tun. Gucken wir halt in den Kühlschrank, da wird doch noch was da sein. Brot ist wieder schimmelig, isst ja sowieso keiner mehr, die Kiddies sowieso nicht, höchstens Papp-Sand­wiches oder Toastbrot ohne Rinde, irgend­wann werden die Menschen keine Zähne mehr haben und keiner weiß mehr, was mit Abend­brot gemeint war, heißt das nicht Abendrot, Wangenrot oder so ähnlich? Und mor­gens, wenn überhaupt, was mit Schoki, mit Nutella geht ja alles – nee, Nutella ist auch alle, Him­mel nein, passt denn gar keiner auf in diesem Haus­halt? – sogar Brot geht notfalls mit Nutella. Früher gab's ja auch noch Pausenbrot, ja, ehrlich, Brot, kann man es fassen? Natürlich, gegessen hat es keiner, und auch all die Tricks mit Gurkenkringeln und handgeschnitzten Möhrengesichtern, voller Blödsinn, sie haben's trotzdem weggeworfen, oder, schlimmer noch! wieder mit heimgebracht, hat die Hefte und Schulbücher auch nicht schöner ge­macht, wenn es dann alles so zusammenpappt mit ranziger Butter…  

 

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Voll orientiert 

So, jetzt aber schnell, in zehn Minuten muss ich am Kino sein, Martin wartet bestimmt schon, ist immer so superpünktlich, das nervt! Sollte ja eigentlich wissen, wo das ist, so oft wie wir schon da waren, aber googeln wir's sicher­heitshalber lieber. Da ha­ben wir's schon, ge­nau, Adresse schnell ins Navi, zehn Minuten nur, na also, ist ja eigentlich gleich um die Ecke. Klar, Berufsverkehr und so, kann das Navi ja nicht wissen, was weiß so ein Navi schon, auch wenn es immer so altklug daher schwätzt. Und wie die Leute wieder fahren heute! Wie sie denken, und noch nicht mal das können sie. Wahr­scheinlich alle am Verhun­gern, ich übrigens auch, fällt mir gerade auf. Vielleicht sollte ich eben auf einen Happen zu MacDonalds, sonst futtere ich im Kino wieder bergeweise Popcorn, oder, noch schlimmer: Nachos! Erfindung des Teufels, macht süchtig, das Zeug, und krümelt und knirscht beim Es­sen und macht Soßenflecken und nervt dieNachbarn, und dann erst auf der Waage! Kata­stro­phe, ich mag gar nicht dran denken!

Wo ist denn jetzt der nächste MacDonalds? Ach guck, ganz kleiner Umweg nur, eben rechts und links und – nee! Schon wieder eine Umleitung! Was bauen die eigentlich die ganze Zeit, mit unseren sauer verdienten Steuergel­dern? Straßensperren wahrscheinlich, sonst nix. Wo kriegt man hier bloß was zu essen? Mal schnell auf die App gucken, nee, oder? 13 Restaurants, 15 Cafés und 7 Bars, alle in der näheren Umgebung, wie soll man sich denn da entscheiden? Klar, Preisvergleich, Kundenbe­wer­tung, wer hat laktosefreie Milch und wo gibt's freies WLAN und 17 verschiedene Salat­dressings, eines gesünder als das andere, aber keiner sagt mir, was ich essen soll!Typisch. Muss ja auch schnell gehen. Huch, sind ja nur noch fünf Minuten bis Filmbeginn, na egal, der Film läuft heute Abend noch dreimal, schicken wirMartin schnell eine SMS, so!

 

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Bedudelt   

Huch, das ist ja auf einmal so still! Wie spät ist es eigentlich? Jetzt hatte ich doch gerade so ei­nen tol­len Traum, und gerade als ich --- nee, das ist ja un­heimlich! Man hört ja gar nix! Drei Minuten nach drei, sagt der Wecker, Gott, tickt der laut! Kein Auto, gar nix, noch nicht einmal ein Piepmatz! Ist das mein Herz, das da so pumpert? War wohl doch zu aufregend, der Traum, und gerade als er --- na, jetzt fängt we­nigstens Martin an zu schnarchen, ist ja gera­dezu beruhigend. Aber typisch, der pennt, bei all der Stille, könnte genauso gut die Welt un­tergehen, und er würde immer noch pennen. Schlaf des Unschuldigen, von wegen! Wer ist heute schon noch --- was war das jetzt? Hat da was geknarrt? Kommt da jemand? Nee, jetzt krieg ich auch noch Verfolgungswahn! Wieder zu viele Krimis geguckt vor dem Schlafenge­hen, obwohl, der Tatort war ja sowas von lahm, wenn der niedliche Kommissar nicht wäre, werden ja heute alle nach Schönheit aus­gewählt, die Hübschen kommen ins Fernsehen, und die anderen zur Polizei --- doch, es knarrt. De­finitiv. Gibt doch gar nix zu klauen hier, was reg' ich mich eigentlich auf, sieben Smart­phones hat doch jeder selbst heutzutage, Sozi­alhilfeempfänger haben größere HD-Bild­schirme als kleine Pro­grammkinos, also was soll's? Nix zu holen hier, hallo!

 

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Alles im Kasten 

Ach, ist es nicht schön, so kühl in der Kirche, und so groß alles! Wurde Zeit, dass wir mal rauskom­men aus dem Hotel, man kann ja nicht den ganzen Tag am Strand liegen, und dann ab zum Buffet, und dann an den Pool, und dann wieder Buffet, und dann zur Abwechslung ein bisschen Wellness, und dann wieder --- nee, man will ja auch mal was sehen, oder? Kultur und so! Schnuckeliger Führer hier, echtes Sah­nestückchen, südländischer Typ, darf man den eigentlich fotografieren, wie er ge­rade so deko­rativ vor dieser Madonna steht? Das Baby grinst ja ziemlich dämlich, waren meine niedli­cher, auf den Fotos jedenfalls, und so'n gro­ßen Kopf hat es, ob das gesund ist? Nee, ist ja Christus, pietätlos! Also, schnell ein Foto aus der Hüfte, haaach, diese Südländer, so elegant, und wie er sich bewegt und --- huch,jetzt guckt er her, ach so, man darf hier gar nicht fotografieren? Ja, wo gibt's denn sowas? Sind das Eingeborene, denken, wir nehmen ihnen ihre Seele weg oder so ein Quatsch? Dann wä­ren wir ja schon alle sowas von in der Hölle, ich kann's gar nicht sagen! Nee, im Ge­genteil: So ein Foto beweist doch erst, dass man eine Seele hat, je mehr Fotos, desto mehr Seele ge­radezu, jawoll! Ich wüsste gar nicht mehr, ob ich da bin, so ganz ohne mein tägli­ches Selfie! Posing ge­hört schließlich zur Grundausbildung heute, wer­den sie bald in der Schule unterrichten, jedenfalls für die Mä­dels, bevor sie lesen können – ach was, bevor sie laufen können, können sie den Kopf schieflegen, Schmollmund und die Hüfte raus­stre­cken. Sind ja auch niedlich, und wenn nicht, richtet es der Schönheitschirurg schon! Fängt im Kinder­garten an, fotografieren in der Matschkiste und beim Stuhlkreis, und dann in der Schule, wenn erst die Klassenfahrten und Projekttage und Theater­aufführungen kom­men und was nicht alles, und im Sportverein sowieso, und Konfirmation erst! Tanz­schule!! Ich sag nur. Die reinen Fotoorgien, jedes Mal eine dicke CD hinterher, wer soll das eigentlich alle angucken? Egal, kommt in die Kiste, für später mal, wenn sie nicht mehr so niedlich sind, so wie wir heute, da geht sowieso kein Weg dran vorbei, Weg alles Irdischen und so, da hilft kein Posing mehr, und irgendwann auch nicht mehr der aller­beste Schönheitschi­rurg!  

 

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Korrekt gedacht

Jetzt hat Max doch schon wieder einen neuen Po­lenwitz aus der Schule mitgebracht, ist ja peinlich, aber, seien wir ehrlich, sie sind wirk­lich zum Schreien komisch! Na gut, früher hatten wir schließlich auch  Ostfriesenwitze, zum Glück hat keiner einen gekannt, man kennt ja auch keine Po­len, sonst müsste man sich doch schämen. Oder Blondinenwitze, Gott, waren die nicht wirklich klasse? Endlich hatte man als Frau mal einen Vor­teil davon, nicht dämlich-strohblond zu sein! Weiß aber keinen mehr, und den Polenwitz habe ich auch schon wieder vergessen, Alzheimer lässt grü­ßen! Oder, ganz früher, fällt mir gerade ein, da hatten wir Häschenwitze, hattu Möhren, und alle haben sich gekringelt, siehste, ich weiß doch noch was! War natürlich politisch völlig unkritisch, zum Glück, heute würden sich so­gar die Hasen über ha­senfeindliche Witze be­schweren, aber hallo, sowas von unsensibel gegenüber unseren tierischen lang­ohrigen Mit­geschöpfen! Nee, heute muss man echt aufpas­sen, was man sagt, von morgens bis abends, und irgendwann träumen wir dann auch poli­tisch korrekt. Neger, sag ich nur, ich weiß im­mer noch nicht, wie man nun gerade richtig sagt, ändert sich ja auch laufend, sind das nun Schwarze oder Far­bige oder – nee, das war doch wieder so ein Witz von Max! – Maximal-Pigmentierte? Googeln wir schnell, man weiß ja nie, wann man's braucht – aha, also Afro­amerikaner oder Afrodeutsche oder Afro-was-auch-immer. Gab ja auch mal ne Cola, die so ähnlich hieß, gute Eselsbrücke, und Cola ist nun definitiv völkerverbindend! Weiß eigent­lich garnicht, was an schwarz falsch sein soll, weiß zu sein ist doch definitiv nicht schöner, "weiße Frau" klingt entweder nach Gespenst oder nach Uroma. Und Chinesen sind ja so­wieso gar nicht richtig gelb, und Indianer nicht richtig rot, da könnte man sich doch freuen über eine kräftige Farbe! Andere Leute tra­gen all ihre sauer verdienten Mäuse ins Solarium und werden erst rot und dann dunkelbraun und sterben am Ende an schwarzem Hautkrebs! Blödheit ist sowieso universal, Farbe hin oder her.

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