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Soeben erschienen:


 


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Eigene Beiträge  

 

  • Von der Teufelswette zum globalisierten Verbrechen – Das Böse in der Kriminalliteratur. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 17 (2003), S. 42-47.

Es war im Jahre 1985, da trällerte eine österreichische Popgruppe namens Erste Allgemeine Verunsicherung einen Refrain, der sofort zum geflügelten Wort wurde:„Das Böse ist immer und überall“. Während man bei einer Internetrecherche nach diesem Titel heutzutage auf Seiten mit satanistischen Inhalten stößt, war die ursprüngliche Ironie des Titels nicht zu übersehen: Das scheinbar allgegenwärtige Böse war von einer nicht zu überbietenden Harmlosigkeit, und nur die Polizei glaubte tatsächlich noch an seine Existenz – kein Wunder, war es doch gleichzeitig ihre eigene Existenzberechtigung. Ganz ähnlich verhält es sich mit einer ebenfalls höchst populären literarischen Gattung, die eine der letzten Enklaven des Bösen darstellt: Im Kriminalroman, so sollte man meinen, ist das Böse tatsächlich immer und überall. Aber ist das wirklich so? Sherlock Holmes hatte in dem berüchtigten Professor James Moriarty noch das personifizierte Böse schlechthin im Visier; heutzutage verfolgen Kurt Wallander und seine Kollegen Mörder ohne Gesicht. Dazwischen liegen eine Jahrhundert- und eine Jahrtausendwende; Zeit genug für vielfältige Verwandlungen des Bösen.  

 

  • Dem Vergessen entrissen. Das Tagebuch als Lebensspeicher.
    In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 18 (2004),
    S. 16-21.

Erinnern Sie sich? Wahrscheinlich war es während der Pubertät, als Sie zum ersten Mal das kleine Büchlein aufschlugen – ein richtiges Buch, aber mit ganz weißen Seiten – und nach den ersten Worten suchten.Vielleicht hießen sie: „Liebes Tagebuch“; und wahrscheinlich waren sie in Schönschrift geschrieben, mit einem besonders angenehm in der Hand liegenden Stift; und womöglich waren Sie etwas aufgeregt, so als täten Sie etwas ganz Verbotenes. Vielleicht haben Sie eines oder sogar mehrere Büchlein gefüllt; doch irgendwann meldete sich, wie man so sagt, das Leben selbst zu Wort, und die Bücher verschwanden in einer sehr tiefen Schublade des Schreibtischs, wanderten durch mehrere Umzugskartons und gerieten schließlich auf die große Müllhalde des Vergessens (oder haben Sie sie gar stilecht verbrannt?).

 

  • »Der Scherbenberg der Gefühle«. Die wirklichkeitsverändernde Kraft der Gefühle bei  Robert Musil.
    In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 20 (2005),
    S. 42-47.

Robert Musil entwirft in seinem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" eine Theorie des Gefühls vor dem Hintergrund der Gestalt- und Ganzheitspsychologie seiner Zeit. Er begreift Gedanken und Gefühle als untrennbare Phänomene. In der Geschichte der Erkenntnis werde jedoch der emotionale Anteil an der Erkenntnis der Wirklichkeit zugunsten der Verdienste des rationalen Verstands und der wissenschaftlichen Objektivität systematisch verdrängt. Demgegenüber betont Musil die Notwendigkeit einer Geschichte des Gefühls, die neben der einen Welt der Wirklichkeit auch andere, mögliche Welten erschließen würde. Um jedoch nicht in einen mystisch gefärbten Irrationalismus zu geraten, muss das Reden über Gefühle wissenschaftliche Genauigkeit mit anschaulicher Lebendigkeit verbinden. Musils Ziel ist ein sachlicher Enthusiasmus des Denkens, der die verlorene Einheit von Gedanken und Gefühlen wiederherstellt und für die Zukunft der Menschheit unentbehrlich ist, wenn sie nicht in einseitiger Rationalität erstarren oder das Gefühl den Gefahren ideologischer Manipulation überlassen will.

 

  • Wo ist der Weise zu Hause? Der Philosoph als Kosmopolit.
    In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 23 (2007),
    S. 19-23.

Wo ist der Weise zu Hause? Hat die Philosophie eine Heimat? Für den heutigen Intellektuellen ist die Frage wohl relativ leicht zu beantworten: Er nährt sich von den Brosamen der unterschiedlichsten Weltanschauungen,hat keine geistige Heimat mehr und ist somit in zunehmendem Maße betroffen von „transzendentaler Obdachlosigkeit“. Die Metapher von der transzendentalen Obdachlosigkeit,die Georg Lukacs zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seiner Romantheorie prägte, kann leicht auf die Philosophie übertragen werden: Das antike Äquivalent des Romans, das Epos – beziehungsweise die antike Philosophie –, zeigte eine „abgerundete Welt“, die dem Menschen eine „urbildliche Heimat“ gab; der moderne Roman – beziehungsweise die moderne Philosophie– kann das angesichts der potenziellen Unendlichkeit der globalisierten Welterfahrung in der Neuzeit nicht mehr leisten. Gleichzeitig jedoch, so Lukacs, bleibt die Sehnsucht nach der überschaubaren und doch allumfassenden Sinnfülle im heimatlich abgeschlossenen Erfahrungskreis erhalten. Das Individuum wird dadurch „transzendental obdachlos“,es wandert ziellos durch die Wälder und Sümpfe der postmodernen Beliebigkeit. Aber an welchem Feuer wärmt sich der obdachlose Philosoph?Wovon zehrt seine Seele? Wo findet er seine ganz persönliche Heimat im Denken?

 

  • Marke und Metaphysik. Die Scheinwirklichkeit der Warenwelt.
    In: Der blaue reiter.  Journal für Philosophie 27 (2009),
    S. 20-25.

Was hat Metaphysik mit Werbung zu tun? Nichts – Metaphysik ist eine der altehrwürdigen Grundmauern der abendländischen Zivilisation, auf der ganze Generationen von Philosophen ihre Systeme errichtet haben. Alles – da so gut wie alle diese Systeme eingestürzt sind,von der Realität überholt wurden und nur noch das übrig geblieben ist, worauf sie errichtet wurden: das menschliche Bedürfnis danach, dem Leben einen Sinn zu geben, der über das Sicht- und Greifbare, die schnöde Materie hinausreicht. Meta-physik – es muss etwas geben jenseits der physis, der Natur, ihren erbarmungslosen Gesetzen und der von ihr so provozierend vorgeführten Vergänglichkeit alles körperlich Seienden. Und,wenn man das schon nicht beweisen kann: Wäre es nicht schön, wenn man es kaufen könnte?

 

  • Zarathustra in der Wellness-Oase. Ein Lob des „kleinen Glücks“.
    In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 28 (2010),
    S. 33–39. Wieder veröffentlicht in: 18 Antworten auf die Frage nach dem Glück. Ein philosophischer Streifzug. Hrsg. von Siegfried Reusch. Stuttgart 2011, S. 157-168.

Wenn die „großen“ Philosophen vom Glück reden, meinen sie zumeist nicht das Lebensglück des Einzelnen im Hier und Jetzt, sondern die „Glückseligkeit“ als abstraktes Letztziel der Menschheit und als eine der zentralen Kategorien philosophischer Ethik. Tritt Philosophie hingegen in ihrer sich zunehmender Beliebtheit erfreuenden Populär- und Verkleinerungsform als „Lebenskunst“ auf, preist sie zumeist das „kleine Glück“ – all das, was erreichbar und machbar erscheint,was über die Härten des Alltags hinweg hilft und das Leben, in kleinen Portionen genossen, lebenswert machen kann. Über das „kleine Glück“ rümpfen all diejenigen die Nase, die es nur mit Spießbürger- und Philistertum, mit Mittelmäßigkeit und Durchschnittlichkeit, mit Pantoffeln und Wellness assoziieren können und wollen. Für sie spricht der All-Zertrümmerer Friedrich Nietzsche, dessen Zarathustra von den Höhen seines Übermenschentums herab in seiner Rede über die verkleinernde Tugend schimpft: „Zur kleinen Tugend möchten sie mich locken und loben; zum Ticktack des kleinen Glücks möchten sie meinen Fuß überreden. Ich gehe durch dies Volk und halte die Augen offen: sie sind kleiner geworden und werden immer kleiner – das aber macht ihre Lehre von Glück und Tugend. Sie sind nämlich auch in der Tugend bescheiden – denn sie wollen Behagen … Dies aber ist – Mittelmäßigkeit: ob es schon Mäßigkeit heißt.“

Aber was ist falsch am „kleinen Glück“, an Pantoffeln der Häuslichkeit statt der Siebenmeilenstiefel des Weltgeistes, am gemütlichen Wohnzimmer statt den einsamen Gipfeln des Geistes, an der überschaubaren Idylle im Schrebergarten anstelle metaphysischer Heimatlosigkeit (siehe Erläuterung), an bunten Gartenzwergen anstelle von monochromer gegenstandsloser Kunst? Gibt es nicht vielleicht doch ein richtiges Leben im falschen, ein „kleines Glück“ vielleicht auch im großen Unglück, wenn man nur den Maßstab oder die Perspektive ändert?

 

 

Wörterbuchartikel  

 

  • Art. ›Formel 1‹. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 29 (2010), S. 82f.
  • Art. ›Monopoly‹. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 30 (2011), S. 93f.  
  • Art. ›Poesiealbum‹. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 32 (2012), S. 79f.
  • Art. >Blaustrumpf<. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 33 (2013), S. 86f.
  • Art. >Moorhuhn<. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 34 (2013), S. 76.
  • Art. >Judas<. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 35 (2014), S. 80.
  • Art. >Duck, Dagobert<. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 36 (2015), S. 86.
  • Art. >Shopping<. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 36 (2015), S. 87f.
  • Art. >Zehn Gebote<. In: der blaue reiter. Journal für Philosophie 37 (2015), S. 86f.
  • Art. >Winnetou<. In: der blaue reiter. Journal für Philosophie 39 (2016), S. 89-91. 
  • Art.>Fremdgehen<. In: der blaue reiter. Journal für Philosophie 39 (2016), S. 84f. 
  • Art. >Fun Facts<- In: der blaue reiter. Journal für Philosophie 40 (2017), S. 86f.
  • Art. >HAL9000<. In: der blaue reiter. Journal für Philosophie 41 (2017), S. 82f.; sowie in: Wesen: Von Alien bis Winnetou. Dr. B. Reiters Lexikon des philosophischen Alltags. Stuttgart 2017, S. 62-68.
  • Art. >Nerd<. In: der blaue reiter. Journal für Philosophie 41 (2017), S. 83f.; sowie in: Wesen: Von Alien bis Winnetou. Dr. B. Reiters Lexikon des philosophischen Alltags. Stuttgart 2017, S. 113-118.
  • Art. >Tamagotchi<. In: Wesen: Von Alien bis Winnetou. Dr. B. Reiters Lexikon des philosophischen Alltags. Stuttgart 2017, S. 132-137.

 Rezensionen:

  • Gert Scobel: Weisheit. Über das, was uns fehlt. Köln 2008.
    In: Der blaue Reiter. Journal für Philosophie 27 (2009), S. 112.
  • Jochen Hörisch: Bedeutsamkeit. Über den Zusammenhang von Zeit, Sinn und Medien. In: Der blaue Reiter. Journal für Philosophie 28 (2010), S. 103.
  • Theodor Ebert: Der rätselhafte Tod des René Descartes.
    In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 29 (2010), S. 108f.
  • Georg Römpp: Der Geist des Westens. Eine Geschichte vom Guten und Bösen. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 30 (2011), S. 107f.
  • Bernd-Olaf Küppers: Wissen statt Moral. Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft. In: der blaue reiter. Journal für Philosophie31 (2012), S. 110f.
  • Georg Römpp: Das Anti-Glücksbuch. Warum uns das Glück kein Glück bringt. In: der blaue reiter. Journal für Philosophie 33 (2013), S. 102.
  • Heinrich Detering: Die Lust der Welt und die Kunst der Entsagung. In: Der blaue reiter. Journal für Philosophie 35 (2014), S. 104f.

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