Zitatenecke

 

 


 

Fundstücke  


We know what a masquerade all development is, and what effective shapes may be disguised in helpless embryos. – In fact, the world is full of hopeful analogies and handsome dubious eggs called possibilities.

 

Genius consisting neither in self-conceit nor in humility, but in a power to make or do, not anything in general, but something in particular.

 

There are characters which are continually creating collisions and nodes for themselves in dramas which nobody is prepared to act with them.

 

If we had a keen vision of feeling of all ordinary human life, it would be like hearing the grass grow and the squirrel’s heart beat, and we should die of that roar which lies on the other side of silence. As it is, the quickest of us walk about well wadded with stupidity.

 

And then all this immense expense of art, that seems somehow to lie outside life and make it no better for the world, pains one.

   

To be a poet is to have a soul so quick to discern that no shade of quality escapes it, and so quick to feel, that discernment is but a hand playing with finely ordered variety on the chords of emotion – a soul in which knowledge passes instantaneously into feeling, and feeling flashes back as a new organ of knowledge. One may have that condition by fits only.

George Eliot, Middlemarch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Gescheitere gibt nach! Ein unsterbliches Wort. Er begründet die Weltherrschaft der Dummheit.

 

Wenn zwei brave Menschen über Grundsätze streiten, haben immer beide Recht.

 

Wer in der Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein todeswürdiges Verbrechen.

 

Man kann sich nicht im Besitz von eigentlich unveräußerlichen Gütern befinden, ohne etwas von seinem Rechtsempfinden einzubüßen.

 

Der von Schaffensfreude spricht, hat höchstens Mücken geboren.

 

Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es vorbei.

 

Der völlig vorurteilslos ist, muss es auch gegen das Vorurteil sein.

 

Marie von Ebner-Eschenbach, Fünfhundert Aphorismen

 


Vor der Revolution war alles Bestreben; nachher verwandelte sich alles in Forderung.

Goethe, Maximen und Reflexionen

 


Ich weiß es, der Mensch soll

Immer streben zum Bessern; und, wie wir sehen, er strebt auch

Immer dem Höheren nach, zum wenigsten sucht er das Neue.

Aber geht nicht zu weit! Denn neben diesen Gefühlen

Gab die Natur aus auch die Lust zu verharren im Alten

Und sich dessen zu freuen, was jeder lange gewohnt ist.

Aller Zustand ist gut, der natürlich ist und vernünftig.


Immer gefährlicher ist's, beim Wählen dieses und jenes

Nebenher zu bedenken und so das Gefühl zu verwirren.


Denn die Wünsche verhüllen uns selbst das Gewünschte; die Gaben

kommen von oben herab, in ihren eignen Gestalten.

Goethe, Hermann und Dorothea



Die Geschäftigkeit des Widerlegenwollens gelangt aber nie auf dem Weg eines Denkers. (Sie gehört in jene Kleingeisterei, deren Auslassungen die Öffentlichkeit zu ihrer Unterhaltung bedarf)

Martin Heidegger, Wer ist Nietzsches Zarathustra?


Der Gescheitere gibt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet die Weltherrschaft der Dummheit.


Wenn zwei brave Menschen über Grundsätze streiten, haben immer beide recht. 


Wer in der Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein todeswürdiges Verbrechen.

Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen



Göttlichkeit mit Härte verbunden ist mir das Heiligste, und keine Empfindung, keine Ansicht, wurzelt tiefer, oder enger in mir als diese. Ich betrachtete vor einiger Zeit eine grosse Pallas unter den Antiken, wobey mir dies von neuem wieder recht lebhaft vor das Gemüth trat. Es ist ein vollkommenes Bild weiser Tapferkeit, und mir däucht, der natürlichste und erste Gedanke, den man bey ihrem Anblicke haben könnte, wäre die Bemerkung, dass doch alle Tugend eigentlich nur Tüchtigkeit sey. 


Die wahre Mitte ist nur die, zu der man immer wieder zurückkehrt, von den eccentrischen Bahnen der Begeisterung und der Energie, nicht die, welche man nie verlässt.

Friedrich Schlegel, Über die Philosophie. An Dorothea



Whatever theory or belief we may hold about the soul, there can be no question that the body is immortal. Matter may be transformed from one shape to another but it can never be destroyed. If a comet were to strike this dust-heap of ours and to knock it into a billion fragments which flew right and left into space (…); still, at the end of a thousand million years, every tiniest particle of our bodies would still exist – in other forms and combinations it is true.

 

The fifty moral philosophers who have come to fifty different conclusions about the nature of the will may have all been very estimable gentlemen, but they have not advanced the weal of the human race in any appreciable degree, and that, after all, ist he touchstone on which the value of a man’s life’s labour should be tested.

Arthur Conan Doyle, The Narrative of John Smith

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Aber eben dies ist der Ursprung der Kunst, der Poesie und der Philosophie, welche also durch ein  Organ hervorgebracht werden, das ursprünglich nicht für sie bestimmt ist. Der Intellekt nämlich ist, von Hause aus, ein sauerer Arbeit obliegender Manufakturlöhnling, den sein vielfordernder Herr, der Wille, vom Morgen bis in die Nacht beschäftigt. Kommt aber dennoch dieser getriebene Fronknecht ein Mal dazu, in einer Feierstunde, ein Stück von seiner Arbeit freiwillig, aus eigenem Antrieb und ohne Nebensabsicht, bloß zu eigener Befriedigung und Ergötzung zu verfertigen – dann ist dies ein ächtes Kunstwerk, ja, wenn hoch getrieben, ein Werk des Genies.

 

Daß man wertvolle eigene Meditationen möglichst bald niederschreiben soll, versteht sich von selbst: vergessen wir doch bisweilen was wir erlebt, wie viel mehr was wir gedacht haben. Gedanken aber kommen nicht, wann wir, sondern wann sie wollen. Hingegen, was wir von Außen fertig empfangen, das bloß Erlernte, was sich auch jedenfalls in Büchern wiederauffinden läßt, ist es besser nicht aufzuschreiben.

 

Fast möchte man glauben, daß die Hälfte alles unsers Denkens ohne Bewußtseyn vor sich gehe. Meistens kommt die Konklusion, ohne daß die Prämissen deutlich gedacht wurden.

 

Jedes angeblich voraussetzungslose Verfahren in der Philosophie ist Windbeuteley.

Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipmena

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Es gilt aber, nach meinem Urtheile, auch von den Werken des Verstandes, was Kant von den Handlungen des Willens behauptet. So wie diese keine wahrhaft sittliche Vollkommenheit haben, wenn sie nicht vom Menschen nach einem Gesetze geschehen, welches seines Vernunft ganz allein ihm selbst vorgeschrieben hat: s haben jene keine wahrhafte intellectuelle Vollkommenheit, wenn der Mensch sie nicht, vermöge seines eignen, völlig unabhängigen Gebrauchs seines Verstandes gefunden hat. Der bloße Gehorsam auch gegen den weisesten Gesetzgeber und den rechtmäßigsten und besten Oberherrn ist, sagt Kant, doch noch keine Tugend: weil im Sittlichen der Mensch durchaus sein eigner Gesetzgeber seyn muß. Eben so ist das bloße Verstehen und Annehmen der richtigsten Begriffe und der bündigsten Beweise noch immer nicht Philosophie: weil dieses Wort die Erzeugnisse eines selbst und allein für sich thätigen Verstandes anzeigt.

Christian Garve, Einige Beobachtungen über die Kunst zu denken 


Die Uebereinstimmung Vieler in einem gemeinsamen Irrthum ist kein seltener Fall.


Es kann keine öffentliche Meinung über die Maßregeln der Regierung, über politische Gegenstände und Verhandlungen geben, wo der größte Theil der Nation entweder gar keine Notiz von politischen Verhandlungen, oder ein geringes Interesse daran nimmt; oder wo er über diese Materien so wenig Grundbegriffe und Vorkenntnisse hat, daß er zu urtheilen ganz unfähig ist. 


So wie daher das mangelnde Interesse zuerst das Selbstdenken verhinderte, so hindert zuletzt das zu starke Interesse das richtige Denken.

 

Je mehr man Achtung für die öffentliche Meinung hat, desto mehr Widerwillen muß man gegen das Stiften von Parteyen haben.

 

Es gehört Ruhe und Unbefangenheit dazu, wenn der Mensch nachdenken soll. 

 

Es gehört ferner der Mangel fremder starker Einflüsse dazu, wenn der Mensch seinen eignen Gedanken Gehör geben soll. 

Christian Garve, Über die öffentliche Meinung

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"Es ist bemerkenswert", sagte er: "Der Mensch tut keine nur einigermaßen gesammelte Äußerung allgemeiner Natur, ohne sich ganz zu verraten, unversehens sein ganzes Ich hereinzulegen, das Grundthema und Urproblem seines Lebens irgendwie im Gleichnis darzustellen".


Auch Form ist nur aus Liebe und Güte: Form und Gesittung verständlich-freundlicher Gemeinschaft und schönen Menschenstaats.

Thomas Mann, Der Zauberberg

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Uns dünkt, die imaginative Welt ist gegen die wirkliche ein enges armseliges Gehege, wo man immer dasselbe Wild unter neuen Namen hascht, und weil man sich lange im Kreise herum bewegt hat, glaubt, daß man sehr weit fortgekommen seyn müsse. Aber gesetzt, wir wären so gute Schöpfer, daß wir wirklich neue individuelle Naturen hervorbringen, und sie hinlänglich abwechseln könnten: was können uns alle diese Welten angehen, die wir wir niemals um uns herum gesehen, mit denen wir niemals in irgend einem Verhältnisse gestanden haben, und von denen wir wissen, daß wir nichts weder zu hoffen noch zu fürchten haben.


Jeder Mensch hat um sich herum ein kleines System. Er selbst ist der Mittelpunkte desselben; die Glieder seiner Familie, die Einwohner seiner Stadt, die Leute, mit denen er alle Tage umgeht, ziehen die nächsten Kreise um diesen Mittelpunkt; Reisen, Geschäfte, die verschiedenen Veränderungen seines Zustandes, erweitern dieselbe. Innerhalb dieses Systems sieht der Mensch alles mit einen eigenen Augen, jeder Punkt der Peripherie hängt durch irgend einen Strahl mit dem Mittelpunkte zusammen. (...) In der That, wir kennen nur diejenige Lebensart, diejenige der Menschen recht, die auch zugleich unserer eigne ist. Alle übrigen Zustände des menschlichen Geschlechts erklären wir uns immer nur durch die Vergleichungen, die wir zwischen denselben und dem gegenwärtigen anstellen. 

Christian Garve, Einige Bemerkungen über das Interessierende

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Wit, without knowledge, being a sort of cream, which gathers in a night to the top, and by a skilful hand may be soon whipped into froth; but once scummed away, what appears underneath will be fit for nothing, but to be thrown to the hogs. 


(Die Göttin Kritik)

'Tis I who give Wisdom to Infants and Idiots; by me, children grow wiser than their parents. By me, beaux become politicians; and school-boys, judges of philosophy. By me, sophisters debate, and conclude upon the depths of knowledge; and coffehouse-wits instinct by me, can correct an author's style and display his minutest errors, without understanding a syllable of his matter or his language. 

Jonathan Swift, The battle of the books

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Wir begreifen eine Sache nur, indem wir sie konstruieren, in Gedanken vor uns entstehen, werden lassen können. Insofern wir sie nicht konstruieren, in Gedanken nicht selbst hervorbringen können, begreifen wir sie nicht. 

Friedrich Heinrich Jacobi, Jacobi an Fichte

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Was mir den Hauptantrieb gewährte, war das Bestreben die Erscheinungen der körperlichen Dinge in ihrem allgemeinen Zusammenhange, die Natur als ein durch innere Kräfte bewegtes und belebtes Ganzes aufzufassen. Ich war durch den Umgang mit hochbegabten Männern früh zu der Einsicht gelangt, daß ohne den ernsten Hang nach der Kenntniß des Einzelnen alle große und allgemeine Weltanschauung nur ein Luftgebilde sein könne.

Alexander von Humboldt, Kosmos

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Lots of people told him things all the time. They told him things for all sorts of reasons: to gain some credit, to gain some money, for a favour quid quo pro, out of malice, mischief, or, suspiciously, out of a professed regard for the public good. What it amounted to was not information, but a huge Argus-eyed ball of little, wiggling factoids, out of which some information could, with care, be teased.

Terry Pratchett, Making Money

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Der Mensch verläßt sich lieber auf fremde Gnade, als auf eigenes Verdienst. 


Ein theoretisches Dogma, welches mitunter sich herausnimmt, Jeden, der es nicht gelten läßt, zum Schurken zu stempeln, verdiente doch wohl, daß man ihm einmal ernstlich auf den Zahn fühlte. 


Zudem hat nothwendig jeder tiefdenkende Geist den Trieb, zu seiner eigenen Befriedigung seine Gedanken festzuhalten und sie zu möglichster Deutlichkeit und Bestimmtheit zu bringen. 


In den Rechenbüchern pflegt die Richtigkeit der Lösung eines Exempels sich durch das Aufgehen desselben, d.h. dadurch, daß kein Rest bleibt, kund zu geben. Mit der Lösung des Räthsels der Welt hat es ein ähnliches Bewandniß. Sämtliche Systeme sind Rechnungen, die nicht aufgehn. 


Daher reicht es, um ein Philosoph, d.h. ein Liebhaber der Weisheit (die keine andere als die Wahrheit ist) zu seyn, nicht hin, daß man die Wahrheit liebe, soweit sie mit dem eigenen Interesse, oder dem Willen der Vorgesetzten, oder den Satzungen der Kirche, oder den Vorurtheilen und dem Geschmack der Zeitgenossen, vereinbar ist. … Denn dieser Ehrentitel ist eben dadurch schön und weise ersonnen, daß er besagt, man liebe die Wahrheit ernstlich und von ganzem Herzen, also unbedingt, ohne Vorbehalt, über Alles, ja nöthigenfalls, Allem zum Trotz. Hievon nun aber ist der Grund eben der oben angegebene, da der Intellekt frei geworden ist, in welchem Zustande er kein anderes Interesse auch nur kennt und versteht, als das der Wahrheit.

Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

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Ich sehe niemanden, der eine Kritik der moralischen Werturteile gewagt hätte: ich vermisse hierfür selbst die Versuche der wissenschaftlichen Neugierde, der verwohnten versucherischen Psychologen- und Historiker-Einbildungskraft.

 

Der Mensch, wie jedes lebende Geschöpf, denkt immerfort, aber weiß es nicht; das bewusst werdende Denken ist nur der kleinste Teil davon, sagen wir: der oberflächlichste, der schlechteste Teil – denn allein dieses bewusste Denken geschieht in Worten, das heißt in Mitteilungszeichen, womit sich die Herkunft des Bewusstseins selbst aufdeckt.

  Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft 

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Perhaps in future generations a law would be passed allowing consenting adults to practice art openly; an Intellect Relations Board might be set up to encourage tolerance towards people who, through no fault of their own, were interested in ideas. Meanwhile, it was just as well to keep quiet and play the fool.

 

He couldn’t help wondering whether love could really consist of an unpleasant combination of obsession, self-pity, rivalry, lust and daydreaming. These characteristics didn’t seem to distinguish it from the rest of life, except by their intensity.

 

One-sided self-sacrifice is only enabling someone else’s egoism. Altruists always end up riddled with resentment, or if they make that last super-human effort, with spiritual pride.

  Edward St. Aubyn, Lost for Words

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Aber sich täuschen lassen, sagt man, ist schlimm. Nein, sich nicht täuschen zu lassen, das ist das Allerschlimmste. Es ist nämlich allzu töricht, wenn man glaubt, auf den Dingen selbst beruhe das menschliche Glück: Von den Meinungen hängt es ab. Denn über den menschlichen Dingen liegt ein so tiefes Dunkel, und so wirrer Wechsel herrscht in ihnen, dass man nicht klar erkennen und wissen kann, wie mit Recht meine Akademiker sagen, diese denkbar anspruchslosesten Philosophen. Kann man aber einmal etwas wissen, so stößt die Erkenntnis oft das Behagen, und schließlich ist der Mensch so angelegt, dass ihm der Schein mehr zusagt als die Wirklichkeit. …

 

Wie billig ferner ist diese Art, Glück zu erwerben! Die Dinge nämlich kosten oft sehr schwere Mühe, auch die wertlosesten wie die Grammatik; das Meinen aber erwirbt man spielend, und doch trägt es ebenso viel, wenn nicht mehr zum Glücke bei.

Erasmus von Rotterdam, Lob der Torheit

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Woher kommt das? – Von der natürlichen Schlechtigkeit des menschlichen Geschlechts. Wäre diese nicht, wären wir von Grund aus ehrlich, so würden wir bei jeder Debatte bloß darauf ausgehn, die Wahrheit zu Tage zufördern, ganz unbekümmert ob solche unsrer zuerst aufgestellten Meinung oder der des Andern gemäß ausfiele: dies würde gleichgültig, oder wenigstens ganz und gar Nebensache sein. Aber jetzt ist es Hauptsache. Die angeborne Eitelkeit, die besonders hinsichtlich der Verstandeskräfte reizbar ist, will nicht haben, daß was wir zuerst aufgestellt, sich als falsch und das des Gegners als Recht ergebe. Hienach hätte nun zwar bloß jeder sich zu bemühen, nicht anders als richtig zu urteilen: wozu er erst denken und nachher sprechen müßte.

 

Hingegen haben die gewöhnlichen Leute tiefen Respekt für die Leute vom Fach jeder Art. Sie wissen nicht, daß wer Profession von der Sache macht, nicht die Sache liebt, sondern seinen Erwerb: – noch daß wer eine Sache lehrt, sie selten gründlich weiß, denn wer sie gründlich studiert, dem bleibt meistens keine Zeit zum Lehren übrig.

 

Auch sind allgemeine Vorurteile als Autoritäten zu gebrauchen. Denn die meisten denken mit Aristoteles „was vielen richtig scheint, das, sagen wir, ist“: ja, es gibt keine noch so absurde Meinung, die die Menschen nicht leicht zu der ihrigen machten, sobald man es dahin gebracht hat, sie zu überreden, daß solche allgemein angenommen sei.

 

Kurzum, Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da anderes übrig, als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? –

 

Statt durch Gründe auf den Intellekt, wirke man durch Motive auf den Willen, und der Gegner, wie auch die Zuhörer, wenn sie gleiches Interesse mit ihm haben, sind sogleich für unsre Meinung gewonnen, und wäre diese aus dem Tollhause geborgt: denn meistens wiegt ein Lot Wille mehr als ein Zentner Einsicht und Überzeugung.

  Arthur Schopenhauer, Die Kunst, Recht zu behalten 

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Oder hat der tiefsinnige Spanier noch tiefer die menschliche Natur verhöhnen wollen? Hat er vielleicht in der Gestalt des Don Quixote unseren Geist und in der Gestalt des Sancho Pansa unseren Leib allegorisiert, und das ganze Gedicht wäre alsdenn nichts anders als ein großes Mysterium, wo die Frage über den Geist und die Materie in ihrer gräßlichsten Wahrheit diskutiert wird? Soviel sehe ich in dem Buche, daß der arme materielle Sancho für die spirituellen Donquichotterien sehr viel leiden muß, daß er für die nobelsten Absichten seines Herren sehr oft die ignobelsten Prügel empfängt und daß er immer verständiger ist als sein hochtrabender Herr; denn er weiß, daß Prügel sehr schlecht, die Würstchen einer Olla Potrida aber sehr gut schmecken. Wirklich, der Leib scheint oft mehr Einsicht zu haben als der Geist, und der Mensch denkt oft viel richtiger mit Rücken und Magen als mit dem Kopf.

Heinrich Heine, Die romantische Schule 

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Um aber erst zu gestalten, was dauern soll, muß einer pünktlich und genau sein. Es gibt kein Genie außerhalb der Geschäftsstunden. Man halte seine Stunden ein. In unserer Macht steht übrigens nicht das Genie: nur die Vollendung, gesetzt, wir wären stark und zuverlässig. 


Kunst vor allem gibt es nicht ohne vernünftiges Denken. Die Anschauung wird erst lebendig, wenn sie durchdacht ist. Gestaltung ist eine besonders sinnliche Form des Denkens – nicht als ob seine anderen Formen unsinnlich wären.


Was bleibt, angesichts der Lage des Menschen, übrig außer: seine Schwäche zu achten und gegen ihn nicht immer recht haben zu müssen. Da dies eine Definition der Höflichkeit ist: der Skeptizismus ist vom geistigen – und politischen – Verkehr mit Menschen die kultivierteste Form. Richtig verstanden, gelangt er zur Güte und zu einer Tatkraft, die Güte will.

Heinrich Mann, Ein Zeitalter wird besichtigt


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Nichtsdestoweniger zweifle man keinen Augenblick daran, daß Fortschritt ein allgemeines Gesetz der Menschheit sei, und so ziehe man mit Kanonen und Gewehren aus, um den Chinesen die Fortschrittsidee beizubringen. Der gewöhnliche Menschenverstand könnte uns jedoch sagen, daß, wenn die Geschichte des größeren Teils der Menschheit, der ganze sogenannte Osten, das Gesetz des Fortschritts nicht bestätigt, dieses Gesetz nicht für die ganze Menschheit bestehe, sondern höchstens einen Glaubensartikel für einen bestimmten Teil der Menschheit bilde.


Und ewig wird die Ruhe, Bescheidenheit, Wahrheit und Kraft der Natur gegen die groteske, fieberhafte und diktatorische Kühnheit des Geistes stehen.

Thomas Mann, Goethe und Tolstoi

    

Es scheint gewiß, daß die Gabe der Erfindung, mag sie dichterisch sein, doch bei weitem nicht als Kriterium für den Beruf zum Dichter gelten kann. Mehr noch, es scheint, daß sie eine schlechthin untergeordnete Gabe ist, die von den Guten und Besten oft als fast schon verächtlich empfunden und jedenfalls ohne Kummer entbehrt wurde.


Der Blick, den man als Künstler auf die äußeren und inneren Dinge richtet, ist anders als der, womit man sie als Mensch betrachtet: er ist zugleich kälter und leidenschaftlicher.


Aber der wahre Liebhaber des Wortes wird sich eher einer Welt verfeinden, als eine Nuance opfern; dem wahren Künstler, der nicht nur mit halber Seele, sondern ganz, von Beruf, von Passion ein Künstler ist.

Thomas Mann, Bilse und ich


Aber Selbsterforschung ist meist schon der erste Schritt zur Wandlung, und ich erfuhr, daß niemand ganz der bleibt, der er war, indem er sich erkennt.

      Thomas Mann, On Myself 


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No practical definition of freedom would be complete without the freedom to take the consequences. Indeed, it is the freedom upon which all the others are based. 


In my experience, the best way to get something done is to give it to someone who is busy.

Terry Prachett, Going Postal


The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to those who think they've found it.


Even if it's not your fault it's your responsibility.


First Thoughts are the everyday thoughts. Everyone has those. Second Thoughts are the thoughts you think about the way you think. People who enjoy thinking are having those. Third Thoughts are thoughts that watch the world and think all by themselves. They're rare and often troublesome. 


Learning how not to do things is as hard as learning how to do them. Harder, maybe. 

Terry Pratchet, A Hat full of Skies


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Ihrem Wesen nach ist die Philosophie eine Seltene Dummheit, so wie man Seltene Erden sagt. Das darfst Du verraten, wem Du möchtest. Andererseits: Intelligenz gibt es wirklich. Animierte Körper nicht weniger. Sie löschen sich nicht gegenseitig aus. Wir müssen bloß Wege entdecken, wie man Intelligenz in Körpern begreift.


Was man das Menschsein nennt, ist, wenn es keine Phrase bleibt, eine unauffällige Umschreibung für das geglückte Zusammensein mit den Geeigneten.

Peter Sloterdijk, Das Schelling-Projekt


In the family of ideas, there are no orphans. Each notion exists within a network of relatives linked through a shared system of associates. 

Robert Cialdini, Pre-Suasion

Was wir tun. - Was wir tun, wird nie verstanden, sondern immer nur gelobt und getadelt.


Letzte Skepsis. - Was sind denn zuletzt die Wahrheiten des Menschen? Es sind die unwiderlegbaren Irrtümer des Menschen. 


Der Denker. - Er ist ein Denker: das heißt er versteht sich darauf, die Dinge einfacher zu nehmen, als sie sind. 

Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

 


Deinen Verstand zu üben, lerne: denn Lernen ist Uebung. Vermochte ein andrer zu denken, warum nicht du? Und kannst du einem andern anders nachdenken, als mittelst deiner eignen Gedanken und Worte? Wider ihren Willen sind alle Selbstdenker Despoten: sie drängen, was sie dachten, mit Macht auf. Auch das drängen sie auf, was ihre eigenste Gedankenweise, Trümmer der Zeit, in welcher sie zu dieser Gedankenweise strebten, kurz ein Angehänge ist, das dir als dein Eigenthum zu tragen nicht ziemet. Wie du dein Gesicht vor fremden Gebehrden bewahrest, so halte deinen Mund von nachsprechenden Worten rein. Verstehe, was du hörst.

Johann Gottfried Herder, Verstand und Erfahrung. Eine Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft 



Realizing that there are biological mechanisms behind the most sublime human behavior does not imply a simplicistic reduction to the nuts and bolts of neurobiology. In any case, the partial explanation of complexity by something less complex does not signify debasement.

 

It is not only the separation between mind and brain that is mythical; the separation between mind and body is probably just as fictional. The mind is embodied, in the full sense of the term, not just embrained. 

Antonio Damasio, Descartes’ Error: Emotion, Reason and the Human Brain


Denn auch das Auge hat seine Orgien und die Idee ihre Freudenfeste.

 

Ah! Luft! Luft! Noch mehr Raum! Da unsere ringenden Seelen ersticken und am Rande des Fensters dahinsterben, da unsere gefangenen Geister sich wie der Bär in seiner Grube stets um sich selbst drehen und sich an ihren Mauern stoßen, so gebt wenigstens unseren Nasen den Duft aller Winde der Welt, laßt meine Augen in alle Horizonte schweifen!

 

Aber der Mensch ist nur geschaffen, um täglich ein wenig an Nahrung, Farben, Tönen, Empfindungen, Ideen zu kosten. Was über das Maß hinausgeht, ermüdet oder berauscht ihn; es ist der Stumpfsinn des Trunkenbolds, es ist die Narrheit des Estatikers.

 

Gustave Flaubert, Über Feld und Strand. Eine Reise in die Bretagne 



Es ist gefährlich, den Menschen zu sehr merken zu lassen, wie sehr er den Tieren gleicht, ohne ihm seine Größe zu zeigen. Es ist auch gefährlich, ihn zu sehr seine Größe fühlen zu lassen, ohne ihm seine Niedrigkeit zu zeigen. Es ist noch gefährlicher, ihn über beides in Unkenntnis zu lassen. Aber es ist sehr vorteilhaft, ihm beides vor Augen zu stellen.

 

Unser Verstand steht in der Ordnung der intelligiblen Dinge auf der gleichen Stufe wie unser Leib im Bereich der Natur. In unserer allseitigen Begrenzung finden wir dieses In-der-Mitte-Stehen zwischen zwei Extremen bei allen unseren Fähigkeiten.

 

Man kann das Charakterbild eines Menschen nur dann richtig zeichnen, wenn man alle unsere Widersprüche in Einklang bringt; und es genügt nicht, sich an eine Reihe miteinander harmonierender Eigenschaften zu halten, ohne die entgegengesetzten Eigenschaften damit in Einklang zu bringen. Um den Sinn eines Autors zu verstehen, muß man alle widersprechenden Stellen in Einklang bringen.

 

Warum folgt man der Mehrheit? Etwa weil sie mehr Vernunft hat? Nein, sondern weil sie mehr Macht hat.

 

Blaise Pascal, Gedanken 

 


Meanwhile, Momus fearing the worst, and calling to mind
an ancient prophecy which bore no very good face to his
children the Moderns, bent his flight to the region of a
malignant deity called Criticism. She dwelt on the top of
a snowy mountain in Nova Zembla; there Momus found
her extended in her den, upon the spoils of numberless
volumes half devoured. At her right hand sat Ignorance,
her father and husband, blind with age; at her left, Pride,
her mother, dressing her up in the scraps of paper herself
had torn. There was Opinion, her sister, light of foot,
hood-winked, and head-strong, yet giddy and perpetually
turning. About her played her children, Noise and Impudence,
Dulness and Vanity, Positiveness, Pedantry, and
Ill-manners.


Momus, having thus delivered himself, stayed not for an
answer, but left the goddess to her own resentment. Up
she rose in a rage, and, as it is the form on such occasions,
began a soliloquy: “It is I” (said she) “who give
wisdom to infants and idiots; by me children grow wiser
than their parents, by me beaux become politicians, and
schoolboys judges of philosophy; by me sophisters debate
and conclude upon the depths of knowledge; and coffeehouse
wits, instinct by me, can correct an author’s style,
and display his minutest errors, without understanding a
syllable of his matter or his language; by me striplings
spend their judgment, as they do their estate, before it
comes into their hands. It is I who have deposed wit and
knowledge from their empire over poetry, and advanced
myself in their stead.

Jonathan Swift, The Battle of the Books




Look, that’s why there’s rules, understand? So that you think before you break ‘em.

 

Wizards and philosophers had found Chaos, which is Kaos with his hair combed and a tie on, and had found in the epithome of disorder a new order undreamed of. There are different kind of rules. From the simple come the complex, and from the complex comes a different kind of simplicity. Chaos is order in a mask …

Terry Pratchett, Thief of Time

    


Voting makes citizens feel like part of the system. It adds credibility to the government, at least in our minds, and that’s all that matters. So you should definitely vote. It feels especially good if you maintain your illusion that you understand complex socio-economic issues well enough to have an informed opinion. 

Scott Adams, Blog

   

 


Zu oft vor allem verkennen wir, wieviel noch Kindliches in den meisten unserer Freudegefühle steckt. Wieviel Vergnügen in der Gegenwart würde sich aber nicht bei genauerer Prüfung auf Erinnerungen an früheres Vergnügen reduzieren! Was bliebe von vielen unserer Gefühle übrig, wenn wir auf das unmittelbar Gefühle in ihnen zurückgingen, wenn wir von ihnen alles loslösten, was einfach Erinnerung ist? Ja wer weiß, ob wir nicht von einem gewissen Alter ab für frische und neue Freude unzugänglich werden?

Henri Bergson, Das Lachen

   


Die erste Natur. – So wie man uns jetzt erzieht, bekommen wir zuerst eine zweite Natur: und wir haben sie, wenn die Welt uns mündig, brauchbar nennt. Einige wenige sind Schlangen genug, um diese Haut eines Tages abzustoßen: dann, wenn unter ihrer Hülle ihre erste Natur reif geworden ist. Bei den meisten vertrocknet der Keim davon.

Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

   



Das Rätsel des Bewußtseins versteckt sich in seinem Nebeneffekt-Charakter. Aller Wahrscheinlichkeit nach macht es in seiner heutigen Ausprägung nicht mehr als eine auf Dauer gestellte, inzwischen weitgehend funktionslose Extraleistung des Gehirns aus, für die man im Arsenal der vitalen Zwecke keine zureichenden Gründe findet. 


Das Prinzip des höheren Lebens ist übender Fleiß. Geboren sind wir schon, zur Welt aber kommt nur, wer sich vorwärtsarbeitet. Kreatives Leben gebiert sich selbst. Weil dabei nicht alle gleich weit kommen, gibt es eine Ungleichheit zwischen Menschen, von der die Soziologie nichts weiß.

 

Wie wäre es, wenn wir aufhörten, an „die Kommunikation“ zu glauben? Man müßte das Aussenden und Empfangen von Zeichen vom Angeln oder von der Jagd her auffassen. „Senden“ hieße dann „Köder auslegen“, und „Verstehen“ wäre das Äquivalent von „Anbeißen“. Jede höhere Form von „Verständigung“ impliziert ein gutes Maß an „in die Falle gehen“.

Peter Sloterdijk, Zeilen und Tage

 


Man glaubt Autoren oft durch Vergleichungen mit dem Fabrikwesen zu schmähen. Aber soll der wahre Autor nicht auch Fabrikant sein? Soll er nicht sein ganzes Leben dem Geschäft widmen, literarische Materie in Formen zu bilden, die auf eine große Art zweckmäßig und nützlich sind? Wie sehr wäre manchem Pfuscher nur ein geringer Teil von dem Fleiß und der Sorgfalt zu wünschen, die wir an den gemeinsten Werkzeugen kaum noch achten!

Friedrich Schlegel, Athenäums-Fragmente



Ich bin heute noch der Meinung, daß Geistesabwesenheit außerordentlich gesund ist, wenn man Geist besitzt, unter anderen Voraussetzungen jedoch auf die Dauer recht gefährlich!

 

Wir stabilisieren unsere Ideale wie die platonisch-pythagoräischen Ideen, unverrückbar und unveränderlich, und wenn die Wirklichkeit ihnen nicht folgt, so sind wir imstande, dies gerade als das Kennzeichnende der Idealität anzusprechen, daß die Wirklichkeit nur ihre 'unreine' Verwirklichung ist.   

 

Dieses Wesen ist ebenso leicht fähig der Menschenfresserei wie der Kritik der reinen Vernunft. Man soll nicht immer denken, daß es das tut, was es ist, sondern es wird das, was es - aus Gott weiß welchen Gründen - tut. 

 

Es liegt in jedem Entweder-Oder eine gewisse Naivität, wie sie wohl dem wertenden Menschen ansteht, aber nicht dem denkenden, dem sich die Gegensätze in Reihen von Übergängen auflösen. 

 

Was man Zivilisation im üblichen Sinne nennt, ist ja hauptsächlich nichts als die Belastung des einzelnen mit Fragen, von denen er kaum die Worte kennt, weshalb es ganz natürlich ist, daß er in einer vollkommen pathologischen Weise darauf regiert; wir muten heute einem beliebigen Kaufmann Entscheidungen zu, deren gewissenhafte Wahl einem Leibniz nicht möglich gewesen wäre!

Robert Musil, Essays


 

 

Ich habe in der Tat ehedem gelernt, dass das Laster nichts anders als eine Unordnung und ein Mangel des rechten Maßes sei. ... Wir schweben zwischen verschiedenen Meinungen. Wir wollen nichts frei, nichts unbedingt, nichts beständig. Wenn sich jemand gewisse Gesetze und eine gewisse Ordnung in seinem Kopfe vorgeschrieben und fest gesetzet hätte: so würden wir überall in seinem ganzen Leben eine Gleichheit der Sitten, eine Ordnung, und eine unbetrügliche Verbindung der Dinge bei ihm hervorleuchten sehen. 

 

Wir sind zur Arbeit geboren.

Michel de Montaigne, Essais 

 

 

Science is not invention, science is discovery.

Numb3rs 

 

What is truly astonishing today is the emergence of messages that function like truths, mimicking an objective good in their intransigence and triumphant assertiveness - at the very moment when subjective values and the rejection of the idea of the objective good have reached their peak. Thus, amidst the disorder of a world in which each man creates his own morality, we ware witnessing the enigmatic and silent resurgence of an absolute good of whose roots and justifications we are ignorant.

 

Dominated by emotion, our era overflows with treacly sentiments. It is almost as if the feelings that were once associated with a certain type of piety have contaminated the whole population. ... Sentimentality reveals a spirit that is unable to distance itself form the world. 

 

And we must not think that our fear of truth protects us henceforth from human disasters. Even if we are no longer governed by great certainties, we live under the domination of shared assumptions that have taken the place of those certainties. For example, the individualistic style of life, which has thrust its legitimacy on us, could very well drive us to disaster. Will a disaster have to occur before we understand? 

 

Democracy has become the sacred tabernacle of our time, and the discourse that acoompanies it its theology. The democratic system tolerates no criticism. ... The sacred is precisely that against which contradiction kills the contradictor. 

Chantal Delsol, Icarus fallen

 

  

Muss ich hinzufügen, dass der weise Ödipus Recht hatte, dass wir wirklich nicht für unsere Träume - aber ebenso wenig für unser Wachen verantwortlich sind, und dass die Lehre von der Freiheit des Willens im Stolz und im Machtgefühl des Menschen ihren Vater und ihre Mutter hat?

 

Und wenn die Vernunft der Menschheit so außerordentlich langsam wächst, dass man dieses Wachstum für den ganzen Gang der Menschheit oft geläugnet hat: was trägt mehr die Schuld daran als diese feierliche Anwesenheit, ja Allgegenwart moralischer Befehle, welche der individuellen Frage nach dem Wozu? und dem Wie? gar nicht gestattet, laut zu werden? Sind wir nicht darauf hin erzogen, gerade dann pathetisch zu fühlen, und uns ins Dunkle zu flüchten, wenn der Verstand so klar und kalt wie möglich blicken sollte!

 

Der Teufel "Eros" ist allmählich den Menschen interessanter als alle Engel und Heiligen geworden, dank der Munkelei und Geheimtuerei der Kirche in allen erotischen Dingen; sie hat bewirkt, bis in unsere Zeiten hinein, dass die Liebesgeschichte das einzige wirkliche Interesse wurde, das allen Kreisen gemein ist, - in einer dem Altertum unbegreiflichen Übertreibung, der später einmal auch noch das Gelächter nachfolgen wird. 

Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches


 


 

For True and False are attributes of Speech, not of things. ... Seeing then that Truth consisteth in the right orderering of names in our affirmations, a man that seeketh precise Truth, had need to remember what every name he uses stands for; and to place it accordingly; or els he will find himselfe entangled in words, as a bird in lime-twiggs.

 

For such is the nature of men, that howsoever they may acknowledge may others to be more witty, or more eloquent, or more learned; Yet they will hardly believe there be many so wise as themselves: For they see their own wit at hand, and other mens at a distance. 

 

And though this may seem too subtile a deduction of the Lawes of Nature, to be taken notice of by all men; whereof the most part are too busie in getting food, and the rest too negligent to understand; yet to leave all men unexcusable, they have been contracted into one easie sum, intelligible even to the meanest capacity; and that is, "Do not that to another, which thou wouldest not have done to thy selfe;" which sheweth him, that he has no more to do in learning the Lawes of Nature, but, when weighing the actions of other men with his own, they seem to heavy, to put them into the other part of the ballance, and his own into their place, that his own passions, and selfe-love may adde nothing to the weight; and then there is none of these Lawes of Nature that will not appear unto him very reasonable.

 

For all men are by nature provided with a notable multiplying glasses (that is their Passions and Self-love), through which, every little payment appeareth a great grievance; but are destitute of those prospective glasses (namely Morall and Civill Science) to see a farre off the miseries that hang over them, and cannot without such payments to be avoyded.

Thomas Hobbes, Leviathan


 


 

Sich genügen lassen. - Die erlangte Reife des Verstandes bekundet sich darin, dass man dorthin, wo seltene Blumen unter den spitzigsten Dornenhecken der Erkenntnis stehen, nicht mehr geht und sich an Garten, Wald, Wiese und Ackerfeld genügen lässt, in Anbetracht, wie das Leben für das Seltene und Außergewöhnliche zu kurz ist. 

 

Ketten-Denker. - Einem der viel gedacht hat, erscheint jeder neue Gedanke, den er hört oder liest, sofort in Gestalt einer Kette. 

 

Welche Philosophie immer der Gesellschaft not tut. - Der Pfeiler der gesellschaftlichen Ordnung ruht auf dem Grunde, dass ein jeder auf das, was er ist, tut oder erstrebt, auf seine Gesundheit oder Krankheit, seine Armut oder Wohlstand, seine Ehre oder Unansehnlichkeit, mit Heiterkeit hinblickt und dabei empfindet: "Ich tausche doch mit keinem".

 

Zur Rangordnung der Geister. - Es ordnet dich tief unter jenen, dass du die Ausnahme festzustellen suchst, jener aber die Regel.

 

Maß und Mitte. - Von zwei ganz hohen Dingen: Maß und Mitte, redet man am besten nie. Einige wenige kennen ihre Kräfte und Anzeichen, aus den Mysterien-Pfaden innerer Erlebnisse und Umkehrungen: sie verehren in ihnen etwas Göttliches und scheuen das laute Wort. Alle übrigen hören kaum zu, wenn davon gesprochen wird, und wähnen, es handele sich um Langeweile und Mittelmäßigkeit.

Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches 


 


 

"You see those armies over there? They're fighting for you. Some want to see you enslaved and some want you to run the country, or at least to let them run the country while telling you it's you doing it. There's going to be a terrible battle. I can't help wondering... What do you want?" The buffalo holder absorbed this one for consideration, too. Finally the man said: "A longer piece of string would be nice".

Terry Pratchett, Interesting Times

 

 

When national debts have once been accumulated to a certain degree, there is scarce, I belive, a single instance of their having been fairly and completely paid. The liberation of the public revenue, if it has ever been brought about at all, has always been brought upon by a bankrutpcy [...]. The raising of the denomination of the coin has been the most usual expedient by which a real bankruptcy has been disguised under the appearance of a pretended payment. [...] The honour of a state is surely very poorly provided for, when, in order to cover the disgrace of a real bankruptcy, it has recourse to a juggling trick of this kind, so easily seen through, and at the same time so extremely pernicious.

Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations

 

so müssen wir uns gewöhnen, keinen Satz ohne zureichende Gründe der Wahrheit anzunehmen; und wenn dadurch unsre Stärke noch mehr zugenommen hat: so können wir alles, was uns bisher beygebracht worden ist, als Vorurtheile ansehen. Wir sollen uns alsdenn in die unpartheyische Verfassung setzen, die zu der Prüfung der Wahrheit so nöthig ist, und einen jeden Satz als ob wir ihn erst aus den Grundempfindungen unserer Seele und aus den ersten Eindrücken der äusserlichen Gegenstände herleiten müßten, behandeln. 

Isaak Iselin, Politischer Versuch über die Berathschlagung 

 

 

The problem is, people only think for themselves if you tell them to.

 

Personal isn't the same as important. 

Terry Pratchett, Men At Arms

 

  

Let us record the atoms as they fall upon the mind in the order in which they fall, let us trace the pattern, however disconnected and incoherent in appearance, which each sight or incident scores upon theconsciousness. Let us not take it for granted that life exists more fully in what is commonly thought big than in what is commonly thought small.

Viriginia Woolf, Modern Fiction

 

 

People have reality-dampers.

 

Bodies aren't just handy things for storing your mind in. Your shape affects how you think. It's all this morphology that's all over the place. 

 

Not being certain is what being a philospher is all about. 

 

"We live and learn, just lilke you said". "Some of us even do it the other way round."


 Everything works both ways.

Terry Pratchett, Small Gods

 

 

The cost of scientific advance is the humbling recognition that reality was not constructed to be easily grasped by the human mind. This is the cardinal tenet of scientific understanding: Our species and its ways of thinking are a product of evolution, not the purpose of evolution.

 

Complexity is what scientist interests in the end, not simplicity. Reductionism is the way to understand it. 

 

The most distinctive qualitites of the human species are extremely high intelligence, language, culture, and reliance on long-term social contracts. In combination they gave early Homo sapiens a decisive edge over all competing animal species, but they also exacted a price we continue to pay, composed of the shocking recognition of the self, of the finiteness of personal existence, and of the chaos of the environment.

 

Sometimes a concept is baffling not because it is profound but because it is wrong.

 

What does it all mean? This is what it all means. To the extent that we depend on prosthetic devices to keep ourselves and the biosphere alive, we will render everything fragile. The the extent that we banish the rest of life, we will impoverish our own species for all times. And if we should surrender our genetic nature to machine-aided ratiocination, and our ethics and art and our very meaning to a habit of careless discursion in the name of progress, imagining ourselves godlike and absolved from our ancient heritage, we will become nothing. 

  Edward O. Wilson, Consilience. The Unity of Knowledge


 

 

A man is fit for neither business nor pleasure who either cannot, or does not, command and direct his attention to the present object, and in some degree banish, for that time, all other objects from his thoughts. … There is time enough for everything, in the course of the day, if you do but one thing at once; but there is not enough time in the year, if you will do two things at a time.

 

Every excellency, and every virtue, has its kindred vice or weakness; and if carried beyond certain bounds, sinks into the one or the other. Generosity often runs into Profusion, Economy into Avarice, Courage into Rashness, Caution into Timidity, and so on: insomuch that, I believe, there is more judgement required for the proper conduct of our virtues, than for avoiding their opposite vices.

 

Most people have ears, but few have judgment.

 

They have ruined their own son, by what they called and thought loving him. They have made him believe that the world was made for him, not he for the world. 

Lord Chesterfield, Letters to his Son

 

Der Mensch ist ein vernünftiges Tier, mit zwei Beinen und ohne Federn: das ist es, was die Gelehrsamkeit über unsere Natur festgestellt hat. Diese Definition mag für einzelne Individuen richtig sein, aber sie ist völlig falsch, wenn man die Mehrzahl ins Auge faßt, denn nur Wenige sind vernünftig, und selbst wenn sie es in dem einen Gegenstande sind, so giebt es eine Unmasse anderer, in denen sie es durchaus nicht sind. Der Mensch ist ein Geschöpf, könnte man sagen, welches Begriffe hat und Ideen combinirt.

 

Auch in der Art und Weise zu denken, giebt es etwas Epidemisches, wenn ich mich so ausdrücken darf, das sich von dem einen Geiste dem Anderen mittheilt.

 

So sind die Verkehrtheiten, in welche man verfällt, wenn man sich von der weisen Mitte entfernt, welche in der Moral dieselbe Bedeutung hat, wie der Mittelpunkt der Schwere in der Mechanik. 

 

Der System-Geist ist zu allen Zeiten für die menschliche Vernunft eine verhängnisvolle Klippe gewesen; er hat diejenigen von ihrem Ziele abgelenkt, welche die Wahrheit schon zu besitzen glaubten, die sich aber dann in irgendwelche geistreiche Idee, welche sie zur Grundlage ihres Systems machten, vernarrten; er hat sie mit Vorurtheilen belastet, welche für die Wahrheitsforschung stets todtbringend sein werden, welcher Art sie auch sind, dergestalt, daß diese System-Künstler vielmehr Romane geschrieben, als Beweise geführt haben. 

Friedrich II., Anti-Machiavel

 

People get exactly the wrong idea about belief. They think it works back to front. They think the sequence is, first object, then belief. In fact, it works the other way. 

 

Just because something is a metaphor doesn't mean it can't be real.

 

Had he ever really thought properly when he was alive? He doubted it. He'd just been a lot of complicated reactions attached to a lot of nerve endings, with everything from idle rumination about the next meal to random, distracting memories getting between him and real thougt.

Terry Pratchett, The Reaper Man

 

 

Denn wie diejenigen, welche ihren Körper nicht üben, körperliche Arbeiten nicht verrichten können, so finde ich, vermögen auch die, welche ihren Geist nicht üben, geistige Arbeiten nicht zu verrichten, denn sie können weder thun, was sie sollen, noch unterlassen, was sie sollen. 

 

Ich für meine Person glaube, daß alles Schöne und Gute der Übung fähig sei und am meisten die Mäßigung.

 

Denn wer weiß nicht, daß selbst bei der Thätigkeit, bei der man glaubt, den Körper am wenigsten nöthig zu haben, beim Denken, nicht wenige blos darum in große Irrthümer verfallen, weil ihnen die Gesundheit ihres Körpers fehlt?

 

Es ist sonderbar, daß diejenigen, welche die Zither spielen, die Flöte blasen, reiten oder sonst etwas Derartiges gehörig lernen möchten, die Fertigkeit, in welcher sie etwas Tüchtiges leisten wollen, fortwährend üben, und nicht etwa für sich allein, sondern unter der Leitung derer, die für die größten Lehrmeister darin gelten ...; und daß dagegen von denen, welche tüchtige Redner und Staatsmänner werden wollen, einige der Meinung sind, sie könnten ohne Vorbereitung und Uebung mit einem Male hierin etwas Tüchtiges leisten. 

Xenophon, Erinnerungen an Sokrates

We often speak of truth. We say great truths, and use many other qualifying expressions. But no one truth is greater than any other truth. Each has a sphere of usefulness peculiar to itself. Thus we should treat with respect and reverence all truths, great and small. A truth is the complete work of nature, which can only be demonstrated by the vital principle belonging to that class of truths.

 

Most of our learned men, so-called, at the present day, stand upon heaps of mental rubbish.

Andrew Taylor Still, The Philosophy of Osteopathie 

 

All questions concerning the proper medium between extremes are difficult to be decided; both because it is not easy to find words proper to fix this medium, and because the good and ill, in such cases, run so gradually into each other, as even to render our sentiments doubtful and uncertain.   


Those who employ their pens on political subjects, free from party-rage, and party-prejudices, cultivate a science, which, of all others, contributes most to public utility, and even to the private satisfaction of those who addict themselves to the study of it. I am apt, however, to entertain a suspicion, that the world is still too young to fix many general truths in politics, which will remain true to the latest posterity. We have not as yet had experience of three thousand years; so that not only the art of reasoning is still imperfect in this science, as in all others, but we even want sufficient materials upon which we can reason.  

 

The source of degeneracy, which may be remarked in freegovernments, consists in the practice of contracting debt.

 

Every person, if possible, ought to enjoy the fruits of his labour,in a full possession of all the necessaries, and many of the conveniencies of life. No one can doubt, but such an equality is most suitable to human nature, and diminishes much less from the happiness of the rich than it adds to that of the poor. It also augments the power of the state, and makes any extraordinary taxes or impositions be paid withmore chearfulness

 

What depends upon a few persons is, in a great measure, to be ascribed to chance, or secret and unknown causes: What arises from a great number, may often be accounted for by determinate and known causes.  

 

All doctrines are to be suspected, which are favored by our passions. 

David Hume, Essays Moral, Political, and Literary

 

I see in the near future a crisis approaching that unnerves me and causes me to tremble for the safety of my country … Corporations have been enthroned and an era of corruption in high places will follow, and the money power of the country will endeavour to prolong its reign by working upon the prejudices of the people until all wealth is aggregated in a few hands and the Republic is destroyed.

Abraham Lincoln, Brief an A. G. Hodges, 4. April 1864

 

"I think that all the divisions, classifications, categorisations and systems that we attribute to the universe are fictitious, arbitrary. There isn't one that doesn't contain within its own contradiction. That's the opinion of an old man with some experience of these things."

Arturo Perez-Reverte, The Flanders Panel 

 

"You Spaniards have a story about a bookseller in Barcelona who committed murder. Well, I too would be capable of killing for a book". "I wouldn't recommend it. That's how it start's. Murder doesn't seem like a big deal, but then you end up lying, voting on elections, things like that."

Arturo Perez-Reverte, The Club Dumas

 

Otherwise, said she, it may in time prove as unhappy, nay, as miserable a World as that is from which I came, wherein are more soveraigns than Worlds, and more pretended Governours than Government, more Religions than Gods,and more Opinions in those Religions than Truths; more Laws than Rights, and more Bribes than Justices; more Policies then Necessities, and more Fears than Dangers; more Covetousness than Riches, more Ambitions than Merits, more Services than Rewards, more Languages than Wit, more Controversie than Knowledge, more Reports than noble Actions, and more Gifts by partiality, than according to Merit; all which, she said, is a great misery, nay, a curse. 

Margaret Cavendish, The Blazing World

 

 

Man fälle über eine Arbeit von zwanzig Jahren kein Urteil nach einer einmaligen Lektüre. Man billige oder verwerfe das Buch als Ganzes, nicht einige Sätze daraus. Wer den Leitgedanken des Verfassers herausfinden will, kann ihn nur im Leitgedanken des Werkes entdecken. 

 

Die generelle Tugend der Menschenliebe zu allen kann man nicht besser üben, als wenn man die Menschen zu unterrichten sucht. Der Mensch, dies bildbare Wesen, beugt sich in der Gesellschaft den Gedanken und Eindrücken der anderen und ist ebensowohl der Erkenntnis seiner Eigennatur fähig, sobald man sie ihm zeigt, als auch der Entfremdung seines Selbst, bis in das Gefühl hinein, sobald man sie ihm verhehlt. 

 

Die Tiere besitzen die höchsten uns verliehenen Auszeichnungen nicht; dafür besitzen sie welche, die uns abgehen. Sie kennen unsere Hoffnung nicht, aber auch nicht unsere Ängste. Sie erleiden gleich uns den Tod, aber wissen nichts davon. Die meisten verstehen es besser, sich zu erhalten, als wir und machen von ihren Instinkt keinen so schlechten Gebrauch wie wir.  

 

Als physisches Wesen wird der Mensch genauso wie die anderen Körper von unwandelbaren Gesetzen regiert. Als vernünftiges Wesen tut er unaufhörlich den von Gott gegebenen Gesetzen Gewalt an und ändert die von ihm selbst aufgestellten Gesetze. 

 

Es stimmt, daß in den Demokratien das Volk scheinbar machen kann, was es will. Jedoch bedeutet politische Freiheit nicht, daß man machen kann, was man will. In einem Staat, das heißt einer mit Gesetzen ausgestatteten Gesellschaft, kann Freiheit lediglich bedeuten, daß man zu tun vermag, was man wollen soll, und man nicht zu tun gezwungen werden kann, was man nicht wollen soll. 

 

In den vollkommen absoluten Monarchien üben Historiker Verrat an der Wahrheit, weil sie nicht die Freiheit haben, sie auszusprechen. In den vollkommen freien Staaten üben sie Verrat an der Wahrheit aufgrund eben dieser Freiheit, die stets Meinungsverschiedenheiten erzeugt. Jeder wird genauso der Sklave der Voreingenommenheit seiner Faktion, wie wenn er der Sklave eines Despoten wäre. 

Montesquieu, Vom Geist der Gesetze

 

If Subteties and Distinctinons are admitted to constitute Right, they will equally me made use often to evade ist; and if Justice is turn’d into a Science, Injustice will soon be made a trade. 

Lyttleton, Letters from a Persian in England 

 

Self-examination results in confabulation.

 

The joke on all the fastidious fact-checking is that you're allowed to humilitate anybody, as long as the subject's birth date, hometown, and all numbers connected to him are flawless. And you can quote out-and-out-liars, as long as you quote them correctly. 

 

We like balanced reporting. But balance is most important in things serious. Politics is serious. Muckraking is serious, and it must have prose to match. War zones require that all humour and/or irony cease and desist. The arts are not serious, not in the U.S. of A. They do not involve life and death. We are not French. 

Siri Hustvest, The Blazing World

 

 

Wer gegen den Triumph der repressiven Egalität in Reih und Glied demonstriert, hat ganz offensichtlich etwas sehr Wichtiges nicht verstanden. 

Marc-Uwe Kling, Die Känguru-Offenbarung

 

Auf der Schule, wo es hauptsächlich auf formelle Geistesbildung ankommt, und wo man mit jungen Leuten zu thun hat, deren Charakter sich noch gar nicht selbständig entwickelt hat, bei denen man noch nicht auf eine innere selbstthätige Kraft und wirksame Liebe zu den Wissenschaften mit gehöriger Sicherheit rechnen kann, ... da ist eine strenge äußere Form ganz an ihrem Platze, und es würde übel aussehen, wenn man davon etwas nachlassen wollte. Auf der Universität aber kommt es mehr auf die Aneignung des wissenschaftlichen Stoffes und auf ein selbstthätiges Studium an, und beides darf nicht durch äußeren formellen Zwang, sondern nur durch eigne freie Wahl bestimmt werden ... Die Seele des Universitätsstudiums ist mit einem Worte: vernünftige Freiheit; und wo diese zu sehr in ihrer Wirksamkeit gehemmt wird, geht es nie ohne Schaden für die wissenschaftliche Bildung des Einzelnen und für den wissenschaftlichen Geist im Ganzen ab. Ewig kann doch der Mensch nicht von außen geleitet werden; einmal muß er anfangen sich selbst zu leiten.

Christoph Martin Wieland, Universitätsgutachten 

für die Universität Erfurt

aus dem Jahr 1778

 

 

The happy system of policy on which European states have proceeded in preserving this balance; the degree of moderation which is, in adjusting their treaties, become habitual even to victorious or powerful monarchies, does honour to mankind, and may give hopes of a lasting felicity, to be derived from a prepossession, never,perhaps, equally strong in any former period, or among any other numbers of nations, that the first conquering people will ruin themselves, as well as their rivals.

 

Whether in great or in small states, democracy is preserved with difficulty, under the disparaties of condition, and the unequal cultivation of the mind.

 

We are apt to consider arts as foreign and adventitious to the nature of man; but there is no art that did not find its occasion in human life, and that was not, in some one or other of the situations in which our species is found, suggested as a means for the attainment of some useful end.

 

Men at adistance from the objects of useful knowledge, untouched by the motives that animate an active and a vigorous mind, could produce only the jargon of a technical language, and accumulate the impertinence of academical forms. To speak or to write justly from an observation of nature, it is necessary to have felt the sentiments of nature.

 

Mind, as well as body, has laws, which are exemplified in the course of nature, and which the critic collects only after the example has shown what they are. 

 

Adam Ferguson, An Essay on the History of Civil Society


Does the chimpanzee have a theory of mind? ... Chimps do see that mental states, such as purpose and knowledge, combine to produce deliberate actions. They even understand deceit. What chimp's don't seem capable of understanding is the state of false belief. They don't have a theory of mind that accounts for actions driven by beliefs in conflict with reality. And really, who lacking that will ever be able to navigate the human world?

 

So many problems, however infinitely varied they first appear, turn out to be matters of money. I can't tell you how much this offends me. The value of money is a scam perpetrated by those who have it over those who don't; it's the Emperor's New Clothes gone global. 

Karen Jay Fowler, We Are All Completely Beside Ourselves

 

But though this [state of nature] be a state of liberty, yet it is not a state of licence: though man in that state have an uncontrollable liberty to dispose of his person or possessions, yet he has no liberty to destroy himself, or so much as any creature in his possession, but where some nobler use than is bare preservation calls for it. The state of nature has a law of nature to govern it, which obliges every one: and reason, which is that law, teaches all mankind, who will but consult it, that being all equal and independent, no one ought to harm another in his life, health, liberty or possessions.

John Locke, Second Treatise of Government

 

Much of the work of the brain consists of hiding its work from us. 

 

So it always went, with ideas: go back far enough, and moving clouds caused the wind. 

 

We love only what we can see ourselves in.

 

The brain that retrieved a memory was not the brain that had formed it. Even retrieving a memory mangled what was formerly there. Every thought, damaging and redamming. 

 

People, desperate for solidity, must kill anything that exceeds them. Anything bigger or more linked, or, in its bleak enduring, a little more free. 

 

He needed humans to rise to their station: conscious and godlike, nature's one shot at knowing and preserving itself. Instead, the one aware animal in creation had torched the place.

Richard Powers, The Echo Maker 

 

 

I conceive therefore, that when God did enlarge the universal diet of man's body, saving ever the rules of temperance, he then also, as before, left arbitrary the dieting and repasting of our minds; as wherein every mature man might have to exercise his own leading capactiy.

 

Truth and understanding are not such wares as to be monopoliz’d and traded in by tickets and statutes, and standards. We must not think to make a staple commodity of all the knowledge in the Land, to mark and licence it like our broad cloath, and our wooll packs.

 

We boast our light; but if we look not wisely on the Sun itself, it smites us into darkness. Who can discern those planets that are of Combust, and those stars of brightest magnitude that rise and set with the Sun, until the opposite motion of their orbs brings them to such a place in the firmament, where they may be seen evening or morning. The light which we have gain’d, was giv’n us, not to be ever staring on, but by it to discover onward things more remote from our knowledge.

John Milton, Areopagiticia

 

 

But we were dragons. We were supposed to be cruel, cunning, heartless, and terrible. But this much I can tell you, you ape - we never burned and tortured and ripped one another apart and called it morality.

 

You see, the only thing the good people are good at is overthrowing the bad people. And you're good at that, I'll grant you. But the trouble is that it's the only thing you're good at. One day it's the ringing of the bells and the casting down of the evil tyrant, and the next it's everyone sitting around complaining that ever since the tyrant was overthrown no-one's been taking out the thrash. Because the bad people know how to plan. It's part of the specification, you might say. Every evil tyrant has a plan to rule the world. 

 

The relevant equation is: Knowledge = power = energy = matter = mass; a good bookshop is just a genteel Black Hole that knows how to read. 

Terry Pratchet, Guards! Guards

 


I don’t believe in censorship, but I’m a big believer in self-censorship. 

Will Mcavoy in Newswook, Episode 204

 

 

Wir sind die Protagonisten und Opfer einer sich beschleunigenden, von ökonomischen Verwertungsinteresse politisch unkontrolliert angetriebenen wissenschaftsgestützten technologischen Entwicklung, die sich, je länger sie dauert, als immer zweischneidiger erweist, deren wachsende Kostenträchtigkeit kaum noch durch den sich verlangsamenden Nutzenzuwachs ausbalanciert werden kann, so daß Gesamtzustände mit rasant schwindender Zuträglichkeit entstehen, Gesamtzustände, die als solche nie intendiert waren, die als vielsträngiger Nebenwirkungswildwuchs aus kausal unvermeidlichen, ungewollten, gleichwohl immer in Kauf genommenen sozialen und ökologischen Verheerungsfolgen entstanden sind. Am Anfang stand die Überzeugung des absoluten Marktgleichgewichts: hinter dem Rücken der ebenso hemmungslos wie kundig ihre privaten Interessen verfolgenden Individuen würde eine unsichtbare strukturelle Koordinationsinstanz dafür sorgen, daß dieses privatistisch-anarchistische Gewimmel eine solide Ordnung zu aller Wohl gebären würde, es also, das ist die Pointe des Arguments, in dem die Politikfeindlichkeit des Marktes ihre stärkste Manifestation findet, keiner expliziten Koordinationsleistungen, keiner intentional auf die Allgemeinheit gerichteten Handlungen und Planungen, und folglich auch keiner ausdrücklich für diesen Zweck abgestellten Institutionen bedürfe. Jetzt können wir uns kaum der entmutigenden und entwürdigenden Einsicht verschließen, daß wir Zauberlehrlinge sind, die über die von ihnen entfesselten Mächte nicht länger gebieten können.

Wolfgang Kersting, Der einsichtige Staatsmann und
der kluge Bürger 

 

 

A parent is inexusable who does not personally teach her child to think. 

 

"Hard trade, living".

Elizabeth Gilbert, The Signature of All Things 

Die Welt ist ein Zusammenfluß einer unendlichen Menge von Personen, deren jede sich selbst berechtigt hält, über alles was ihr vorkömmt zu urtheilen. Der unerfahrenste Fähnrich urtheilt über die Maaßregeln seines Generals; der geringste Schuhflicker über die Landesregierung; der einfältigste Leser über den Werth eines Schriftstellers; der lächerlichste Geck über den Mann von Verdiensten. Unter Tausenden, welche sich täglich die Freyheit nehmen in Vorsälen und Caffeehäusern, beym Aufstehen der Großen und beym Putztische der Damen, in Versammlungen und auf Spatziergängen, an öffentlichen Wirtsthafeln und in Wochenstuben über - Alles in der Welt ein Urtheil zu sprechen, findet sich oft kaum Einer, der jemals in seinem Leben überlegt hat, wieviel dazu gehört, um von irgend einer Sache, irgend einer Person oder irgend einer Handlung richtig zu urtheilen. 

Christoph Martin Wieland, Gedanken über eine alte Inschrift

 


Nach der Beschaffenheit der Gegenstände, die du dir am häufigsten vorstellst, wird sich auch deine Gesinnung richten; denn von den Gedanken nimmt die Seele ihre Farbe an. 

 

Es steht bei dir, über dies und das dir keine Meinung zu bilden und so deiner Seele alle Unruhe zu ersparen. 

 

Mache den Einbildungen ein Ende. Hemme den Zug der Leidenschaften. Behalte die Gegenwart in deiner Gewalt. Mache dich mit dem, was dir oder einem anderen begegnet, vertraut. Trenne und zerlege jeden Gegenstand in seine Urkraft und seinen Stoff. Gedenke der letzten Stunde. Laß die Fehler, die von andern begangen worden, da, wo sie geschehen sind.

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen

 

 

I want not think so much about what I want, and what I missed out. I want to think about other things - other people, in other places even. I am so tired of all the little ironic in-jokes, and reciting lines from TV shows and movies and books. Everything from the ... circumsribed world. I want an uncircumstribed world.

Meg Wolitzer, The Interestings

 

 

Genuine doubt was so much worse than fashionable adolescent doubt had ever been.

Genevieve Cogman, The Invisible Library

 

Vergnügungen

 

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen

Das wiedergefundene alte Buch

Begeisterte Gesichter

Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten

Die Zeitung

Der Hund

Die Dialektik

Duschen, Schwimmen

Alte Musik

Bequeme Schuhe

Begreifen

Neue Musik

Schreiben, Pflanzen

Reisen

Singen

Freundlich sein. 

Bertolt Brecht

 


I was after the kind of music that reminds the brain what it felt like, back when we lived forever.

I wanted a piece that would say what this place would sound like long after we're gone.

....

And that's the curse of a life spent looking for transcendence: nothing real will ever suffice, nothing that you won't want to tweak. And yet, and still -

 Richard Powers, Orfeo 

The pain of consciousness, the pain of knowing, grows apace with the information we habe about the degradation of our planet and the insufficiency of our political system and the incivility of our science and the insolvency of our treasure and the injustice in the one-fifth of our country and four-fifths of the world that isn't rich like us.

 

A classic work of literature is inexpensive, infinitely reusable and, worst of all, unimprovable.

 

Nabokov pretty well summed up the political platform that every novelist can endorse: no censorship, good universal education, no portraits of heads of state larger than a postage stamp.

 Jonathan Franzen, How to be alone

 

Wisse aber, daß die Sonne da ist - das ist schon das ganze Leben. 

Fjodor Dostojewski, Die Brüder Karamasoff

 


Gäbe es in der Kulturtheorie ein Pendant zu dem, was im katholischen Altaraufbau das Allerheiligste verkörpert, es könnte nichts anderes sein als dieser am weitesten heruntergekommene Begriffe der Gegenwart: "Lernen". 

 Peter Sloterdijk, Die schrecklichen Kinder der Neuzeit

 


Die Menschen, nämlich, räsonieren gewöhnlich nicht nach den Gesetzen der Vernunft. – Im Gegenteil ist ihre angeborne und allgemeinste Art zu räsonieren: von einzelnen Fällen aufs Allgemeine zu schließen, aus flüchtig oder nur von einer Seite wahrgenommenen Begebenheiten irrige Folgerungen zu herzuleiten, und alle Augenblicke Worte mit Begriffen, und Begriffe mit Sachen zu verwechseln. Die allermeisten, das ist, nach dem billigsten Überschlag neunhundertneunundneunzig unter tausenden, urteilen, in den meisten und wichtigsten Vorfallenheiten ihres Lebens, nach ersten sinnlichen Eindrücken, Vorurteilen, Leidenschaften, Grillen, Phantasien, Launen, zufälliger Verknüpfung der Worte und Vorstellungen in ihrem Gehirne, anscheinenden Ähnlichkeiten und geheimen Eingebungen der Parteilichkeit für sich selbst, um derentwillen sie alle Augenblicke ihren eignen Esel für ein Pferd und eines andern Mannes Pferd für einen Esel ansehen. Unter den besagten neunhundertneunundneunzigen sind wenigstens neunhundert, die zu allem diesem nicht einmal ihre eigenen Organe brauchen, sondern aus unbegreiflicher Trägheit lieber durch fremde Augen falsch sehen, mit fremden Ohren übel hören, durch fremden Unverstand sich zu Narren machen lassen, als durch sich selbst vielleicht richtig empfinden wollen; nichts von einem beträchtlichen Teil dieser neunhundert zu sagen, die sich angewöhnt haben, ohne überhaupt zu wissen was sie sagen, und ohne sich einen Augenblick darum zu bekümmern, ob sie Sinn oder Unsinn sagen. 

[...] 

Denn es gehört eben kein sehr großer Verstand dazu, um von sich selbst auf andere zu schließen; aber ganz gewiß gehört ein sehr gutes Herz dazu, um von andern immer das Beste zu denken. 

[...] 

Dies war nun einmal sein System; und wer die Menschen kennt,weiß, daß ein Mann lieber alles was er hat, und das Hemd auf dem Leibe obendrein, fahren läßt, eh er um die ganze Welt zu gewinnen sein System fahren ließe. 

Christoph Martin Wieland, 

Geschichte des weisen Danischmend und der drei Kalender

 

 

Ich stelle, um nicht aus meiner Art zu fallen, die jasagend ist und mit Widerspruch und Kritik nur mittelbar, nur unfreiwillig zu tun hat, sofort die drei Aufgaben hin, derentwegen man Erzieher braucht. Man hat sehen zu lernen, man hat denken zu lernen, man hat sprechen und schreiben zu lernen: das Ziel in allen dreien ist eine vornehme Kultur. - Sehen lernen - dem Auge die Ruhe, die Geduld, das An-sich-herankommen-lassen angewöhnen; das Urteil hinausschieben, den Einzelfall von allen Seiten umgehn und umfassen lernen. Das ist die erste Vorschulung zur Geistigkeit: auf einen Reiz nicht sofort reagieren, sondern die hemmenden, die abschließenden Instinkte in die Hand bekommen.
[...]

Denken lernen: man hat auf unsern Schulen keinen Begriff mehr davon. Selbst auf den Universitäten, sogar unter den eigentlichen Gelehrten der Philosophie beginnt Logik als Theorie, als Praktik, als Handwerk, auszusterben. Man lese deutsche Bücher: nicht mehr die entfernteste Erinnerung daran, daß es zum Denken einer Technik, eines Lehrplans, eines Willens zur Meisterschaft bedarf- daß Denken gelernt sein will, wie Tanzen gelernt sein will, als eine Art Tanzen... 

 Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung 


Whether it’s a symphony or a coal mine, all work is an act of creating and comes from the same source: from an inviolate capacity to see through one’s own eyes – which means: the capacity to perform a rational identification – which means: the capacity to see, to connect und to make what had not been seen, connected and made before.

 

What I’ve learned is that a lie is an act of self-abdication, because one surrenders one’s reality to the person to whom one lies.

 

As there can be no causeless wealth, so there can be no causeless love or any sort of causeless emotion. An emotion is a response to a fact of reality, an estimate dictated by your standards. To love is to value.

 

“It’s only human” […] - As if ‘to feel’ were human, but to think were not, as if to fail were human, but to succeed were not, as if corruption were human, but virtue were not.

 

Live and act within the limit of your knowledge and keep expanding it to the limit of your life.  

 Ayn Rand, Atlas Shrugged 

 

 

Hierzu kommt noch, daß, da man andere Leute vieles vor sich thun lassen kann, man doch niemanden an seiner statt kan klug seyn lassen, sondern zum wenigsten die Geschicklichkeit haben muß, die Vorschläge anderer Leute zu beurtheilen, und die Mittel, die wir durch ihre Bemühungen erlangen, in ein zusammenhangendes Gebäude unserer Endzwecke zusammen zu ordnen.  

Christian August Crusius, Anweisung vernünftig zu leben 

 

 

"There is a certain amount of kindness in the world, just as there is a certain amount of light", he continued in measured tones. "We cast a shadow on something wherever we stand, and it is no good moving from place to place to save things; because the shadow always follows. Choose a place where you won't do harm - yes, choose a place where you won't do very much harm, and stand in it for all you are worth, facing the sunshine".

E.M. Forster,  A Room with a View

 

She had outgrown stimulants, and was passing from words to things. It was doubtless a pity not to keep up with Wedekind or John, ab some closing of the gates is inevitable after thirty, when your mind itself is to become a creative power.

 

Life's very difficult and full of surprises. At all events, I've got as far as that. To be humble and kind, to go straight ahead, to love people rather than pity them, to remember the submerged - well, one can't do all these things at once, because they're so contradictory. It's then that proportion comes in - to live by proportion. Don't begin with proportion. Only prigs do that. Let proportion come in as a last resource, when the better things have failed.  

E.M. Forster, Howards End

 

 

"Teure Tochter, erschrick nicht, wir sind nicht gekommen, um dir zu schaden oder dir Kummer zu bereitenn, sondern um dich zu trösten und aus deiner Unwissenheit zu erlösen, weil uns deine Verwirrung dauert. Sie verdunkelt so sehr deinen Verstand, daß du das, was du mit Sicherheit weißt, abstreitest und das glaubst, was du selbst nicht aus eigener Anschauung oder eigener Erfahrung, sondern lediglich aus den zahllosen Meinungsäußerungen fremder Menschen weißt. ... Weißt du denn nicht, daß die höchsten Dinge zugleich die umstrittensten sind? Und wenn du dein Augenmerk auf die allerhöchsten Dinge, die Ideen, das heißt: die himmlischen Dinge richtest, so solltest du auch einmal erwägen, ob nicht die gröten Philosophen aller Zeiten, die du gegen dein eigenes Geschlecht einsetzt, vielleicht falsche Schlüsse gezogen haben; und ob nicht der eine auf den anderen antwortet und sie sich wiederholen."

Christine de Pisan, Das Buch von der Stadt der Frauen 

 

 

Klar, kleiner Hoshino. Alle Gegenstände sind Wandlungen unterworfen. Die Erde, die Zeit, die Begriffe, die Liebe, das Leben, die Überzeugungen, die Gerechtigkeit, auch das Schlechte, alles fließt und ist vergänglich. Es gibt nichts, das für die Ewigkeit an einem Ort und in einer Gestalt verharrt. Das ganze Universum ist im Grunde genommen ein gigantischer Paketservice.

Haruki Murakami, Kafka am Strand 

 

 

Dies, so sage ich, sollte man naturgemäß von der Veröffentlichung dieser Gedanken erwarten, wenn man die Menschen dadurch bessern könnte, daß man ihnen etwas erklärt; da aber die Menschheit so viele Zeitalter hindurch dieselbe geblieben ist, ungeachtet der zahlreichen zu ihrer Unterweisung verfaßten belehrenden und gelehrten Schriften, bin ich nicht so eitel, von diesen belanglosen Kleinigkeiten einen größeren Erfolg zu erwarten.   

Bernard  Mandeville, Die Bienenfabel oder
Private Laster als gesellschaftliche Vorteile
 

 

Aber um die Wissenschaften wird es nur dann gut stehn, wenn man auf einer richtigen Leiter von Stufe zu Stufe ohne Unterbrechung und Sprünge von dem Einzelnen zu den unteren Lehrsätzen, dann höher zu den mittleren und nur zuletzt zu den allgemeinsten aufsteigt. Denn die untersten Sätze sind wenig von der Erfahrung des Einzelnen verschieden; aber jene ersterwähnten höchsten und allgemeinsten sind nur Ausgeburten des Denkens, inhaltslos und unzuverlässig. Dagegen sind die mittleren Sätze die wahren zuverlässigen und lebendigen, auf denen das Leben und Wohl der Menschen beruht. … Sonach soll man dem menschlichen Geist keine Flügel, sondern eher ein Bleigewicht beigeben, was alles Springen und Fliegen hemmt.

Francis Bacon, Novum Organon 

 

 

Man kann das Reich der Gedanken mit gewöhnlichen Reichen vergleichen, sagte Me-ti verächtlich. Es herrscht die übelste Unterdrückung. Ein anderes Ordnen als Unterdrücken gibt es nicht. Gewisse Gruppen kommen zur Macht und unterwerfen alle übrigen. Nicht die Leistung entscheidet, sondern die Abkunft und die Verbindungen.  

 

Me-ti sagte: Denken ist etwas, das auf Schwierigkeiten folgt und dem Handeln vorausgeht.  

 

Me-ti sagte: Die Urteile, die auf Grund der Erfahrungen gewonnen werden, verknüpfen sich im allgemeinen nicht so, wo die Vorgänge, die zu den Erfahrungen führen. Die Vereinigung der Urteile ergibt nicht das genaue Bild der unter ihnen liegenden Vorgänge. Wenn zu viele Urteile miteinander verknüpft sind, ist das Zurückgreifen auf die Vorgänge oft sehr schwer. Es ist die ganze Welt, die ein Bild erzeugt, aber das Bild erfaßt nicht die ganze Welt. Es ist besser, die Urteile an die Erfahrungen zu knüpfen, als an andere Urteile, wenn die Urteile den Zweck haben sollen, die Dinge zu beherrschen. Me-ti war gegen das Konstruieren zu vollständiger Weltbilder. 

 

Philosophen werden sehr böse, wenn man ihre Sätze aus dem Zusammenhang reißt. Me-ti empfahl es. Er sagte: Sätze von Systemen hängen aneinander wie Mitglieder von Verbrecherbanden. Einzeln überwältigt man sie leichter. Man muß sie also voneinander trennen. Man muß sie einzeln der Wirklichkeit gegenüber stellen, damit sie erkannt werden.  

 

Bertolt Brecht, Me-ti. Buch der Wendungen 

 

 

Marina once told me that we only remember what never really happened. It would take me a lifetime to understand what those word meant.

 

 

'Yes, but we are interested in the truth', I said.

The old man grimaced mockingly.

'Truth cannot be found, son. It finds you'.

Carlos Ruiz Zafon, Marina 

 

 

Intelligence is money well spent.

The West Wing (US-Fernsehserie) 

 

Just what every city needs - a cat in charge!

Dr. Who (BBC-Fernsehserie) 

 

 "Begreifen Sie doch. In Europa gibt es nur wenige Knopffabrikanten, und die stellen ihre Ware jahrelang nach derselben Methode her. Das gilt auch für die Knöpfe. Ich weiß nicht, worauf Sie hier herauswollen, meine Herren, aber ich sehe meine Pflicht darin, Ihnen klarzumachen, daß Sie so nicht über den Knopf, so nicht über die Fäden reden können. Auch die Wahrheit über einen Knopf ist nicht so leicht herauszubekommen, wie Sie glauben. Dreißig Jahre habe ich mich damit beschäftigt, gemüht, alles über den Knopf zu erfahren, und ich sehe ich, daß Ihnen eine halbe Stunde zuviel ist, sich ernsthaft damit zu beschäftigen". [....]

Was ist eine höhere Wahrheit, meine Lieben? Wo gibt es wohl eine höhere Wahrheit, wenn da kein höherer Vorgang ist! Meine Lieben, es ist etwas Fürchterliches um die Wahrheit, weil sie auf so wenig hinweist, nur auf sehr Gewöhnliches, und nichts hergibt, nur das Allergewöhnlichste. Ich habe in all den Jahren von ihr nichts herausbekommen als dies Feststellen, dieses Beichten, das erleichternde Beichten von Tatsachen. Mehr war wirklich nicht von ihr zu haben.

Ingeborg Bachmann, Ein Wildermuth 

 

 

Physisch-climatische Einwirkung auf Bildung menschlicher Gestalt und körperlicher Eigenschaften leugnet niemand, aber man denkt nicht immer daran daß Regierungsform eben auch einen moralisch-climatischen Zustand hervorbringe, worin die Charaktere auf verschiedene Weise sich bilden.  

Johann Wolfgang Goethe, Noten und Abhandlungen
zum West-Östlichen Divan
 

 

 

Wo der eigentliche Streitpunct zwischen euch und uns liegt, kann ich euch wohl mittheilen. Ihr wollt es freilich nicht ganz mit der Vernunft, aber auch nicht ganz mit eurem wohlthätigen Freunde, dem Schlendrian, verderben. Ihr wollt euch zwischen beide theilen, und gerathet dadurch, zwischen zwei so unverträgli-

chen Gebietern, in die unangenehme Lage, es keinem zu Danke machen zu können. Folgt doch lieber entschlossen dem Gefühle der Dankbarkeit, das euch zu dem letzteren hinzieht, und wir wissen dann, wie wir mit euch daran sind.

Johann Gottlieb Fichte, Beitrag zur Berichtigung der Urtheile
des Publicums über die französische Revolution
 

 

 

 

I have established for myself this way of sequencing which can be thought of as a sort of logic or karma. Ways of sequencing, logic or karma, have been established by people in this vast unordered world in order to affirm oneself, so why shouldn't I invent my own sequencing, logic or karma?  

 

Philosophy in the end is an intellectual game. At limits unattainable by mathematics and the empirical sciences, it constructs all sorts of intricate structures. And as a structure is complete, the game ends. Fiction is different from philosophy because it is the product of sensory perceptions. ... Furthermore, it is the same as life and does not have an ultimate goal.

Gao Xingjian, Soul Mountain 

 

 

The value and challenge of creativity are reason enough for not ignoring or maligning the origins of literature in real individuals. For if we are still far from understanding the workings of the human mind in the most ordinary operations of life, we understand it even less at the creative extremes. It is, to say the least, odd that psychologists and cognitive scientists should want to know how a baby learns to talk while literary critics no longer much care how a poem is created. Science, it seems, can be more humane than the humanities.

Terence J. Reed, Genesis: Some Episodes in Literary Creation 

 

Children are travellers newly arrived in a strange country, of which they know nothing; we should therefore make conscience not to mislead them. And though their questions seem sometimes not very material, yet they should be seriously answered: for however they may appear to us (to whom they are long since known) inquiries not worth the making, they are of moment to those who are wholly ignorant. Children are strangers to all we are acquainted with; and all the things they meet with are at first unknown to them, as they once were to us; and happy are they who meet with civil people, that will comply with their ignorance, and help them to get out of it.

John Locke, Some thoughts concerning Education 

 

 

Selbst wenn wir wissen, daß ein nie zustande kommendes Werk schlecht sein wird, ein nie begonnenes ist noch schlechter! Ein zustande gekommenes Werk ist zumindest entstanden. Kein Meisterwerk vielleicht, aber es existiert, wenn auch kümmerlich wie die Pflanze im einzigen Blumentopf meiner gebrechlichen Nachbarin. Diese Pflanze ist ihre Freude, und hin und wieder auch die meinige. Was ich schreibe und als schlecht erkenne, kann dennoch die eine oder andere verwundete, traurige Seele für Augenblicke noch Schlechteres vergessen lassen. Ob es mir nun genügt oder nicht, es nützt auf irgendeine Art, und so ist das ganze Leben.  

[...] 

Sich der Unbewußtheit des Lebens bewußt sein ist der älteste Tribut an die Intelligenz. Es gibt unbewußte Formen der Intelligenz - Geistesblitze, Gedankenströme, Mysterien und Philosophien -, die demselben Automatismus gehorchen wie die Reflexe unseres Körpers, wie die Funktionen, die Leber und Nieren mit ihren Sekreten bewirken. 

[...] 

Mögen mir die Götter alle bis zu der Stunde, in der meine Physis vergeht, die klare, sonnenhafte Sicht der äußeren Wirklichkeit bewahren, den Instinkt für meine Unwichtigkeit und das Behagen, klein zu sein und ans Glücklichsein denken zu können.  

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe  

des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares 

 

 

One may observe, in all languages, certain words, that if they be examined, will be found, in their first original, and their appropriated use, not so stand for any clear and distinct idea. These, for the most part, the several sects of philosophy and religion have introduced. For their authors, or promoters, either affecting something singular, and out of the way of common apprehensions, or to support some strange opinions, or cover some weaknesses of their hypothesis, seldom fail to coin new words, and such as, wehn they come to be examined, may justly be called insignificant terms.

John Locke, On the abuse of Words 

 

Noch einmal: bey menschlicher Weisheit, sonderlich im metaphysischem Gebiete, ist es eine der nothwendigsten Maximen: Nicht alles genau bestimmen und erklären wollen. Dieß führt unvermeidlich zum überspannten Dogmatismus, zur gehaltlosen Wortphilosophie, dann wieder zum Scepticismus, und leicht zu sittlich bösen Folgerungen. ... Das Helldunkel einer gegründeten und bescheiden in den angewiesenen Gränzen sich zurückhaltenden Denkart besteht; während die Ansprüche über alles zu kühn entschiedener Systeme mit einander im Streite liegen und einander verdrängen. 

 

Denke oft und anhaltend nach über alles was dem Verstande und Herzen wichtig ist, und womit du noch nicht im Reinen bist. Dies diem docet! Denke darüber unter verschiedenen Stimmungen des Gemüthes, und, wo du es haben kannst, in freier Luft, bey mäßiger Bewegung und Erwärmung.     

Johann Georg Heinrich Feder,  

Feders Leben, Natur und Grundsätze

 

 

Und beobachten wir mit philosophischem Auge, auf welche Weise, mitten in aufgeklärten Zeiten, gewisse Betrüger sich großen Anhang zu verschaffen wissen: so werden wir finden, worauf die Kunst dieser Leute beruht: sie wissen, daß wenn sie nur nicht müde werden, den Unsinn zu behaupten, der Anfangs verlacht, nachher übersehen, dann geduldet, hierauf vertheidigt wird, und endlich Märtyrer findet, sie doch zuletzt ihren Zweck erreichen. ... 

Noch ein Mahl! Das ganze Geheimniß, um alles in der Welt durchzusetzen, beruht in diesen vier Worten: nicht müde zu werden. 

Adolph Freiherr Knigge, Benjamin Noldmanns Geschichte  

der Aufklärung in Abyssinien 

Nihil est omni  

Parte beatum.

 

Horaz, Carmina, Liber 2 

 

You will hold this books in your hands, and learn all the things I learned, right along with me: There is no immortality that is not built on friendship and work done with care. All the secrets in the world worth knowing are hidden in plain sight. ... Your life must be an open city, with all sorts of ways to wander in.

Robin Sloan, Mr. Penumbra's 24-hour-bookstore   

Die sich ständig verschlechternde intellektuelle Qualität der führenden politischen Eliten ist eine Folge der wachsenden Komplexität unserer Welt. Weil niemand diese Welt voll erfassen kann, drängen sich jene zur Macht, die sich darüber keine Sorgen machen.  

Stanislaw Lem, Eine Minute der Menschheit

 

 

Bei so viel bewundernswürdigen Methoden, das Studium der Wissenschaften abzukürzen, brauchten wir wirklich jemanden, der eine hätte, die es uns erschwert.

 

Der Mensch kommt nicht leicht zum Denken, hat er aber einmal damit begonnen, hört er nicht mehr auf.  

 

Von Natur denkt der Mensch kaum. Denken ist eine Kunst, die er erlernt wie alle anderen, sogar noch schwerer. 

Jean-Jacques Rousseau, Emile 

 

 

When you notice a cat in profound meditation,

The reason, I tell you, is alsways the same:

His mind is engaged in a rapt contemplation

Of the thought, of the thought, of the thought of his name:

    His ineffable effable

    Effanineffable

Deep and inscrutible singular Name.

 

T.S. Eliot, Old Possums Book of Practical Cats 

 

Ein Satz, an welchem auch nur ein einziger noch zweifelt, ist wenigstens für diesen einen noch nicht ausgemacht, beträfe es auch das Daseyn einer ersten Ursach oder die ewige Fortdauer unserer Existenz. Giebt es etwa ein Mittel, jemanden seine Überzeugung zu nehmen, ihm eine andere einzuimpfen, wenn die Vernunft der andern ihm immer nicht unfehlbar, oder wohl gar inconsequent zu seyn scheint? Man wird ihn von Ämtern und Würden ausschließen, ihn verbannen, darben lassen, vielleicht martern und erwürgen; nur überzeugen kann man ihn durch dieses alles nicht. Es ist daher unmöglich, auch nur einen spekulativen Satz zu gestatten, dessen Annahme blindlings und unbedingt gefordert werden könnte, ohne zugleich die Rechte der Menschheit bis in ihre Grundfesten zu erschüttern, und alle Gräuel der Gewissenssklaverey wieder über uns zurückzuführen. Wenn nicht alles, was diesem oder jenem für wahr gelten mag, Wahr seyn soll, so ist die Wahrheit also noch nicht gefunden.

Georg Forster, Fragment eines Briefes an einen deutschen Schriftsteller, über Schillers Götter Griechenlands

 

For most of us, life is lived with the philosophical volume turned half down.  

Alexander McCall Smith, Sunshine on Scotland Street 

 

Wer buchstäblich hinter seine Gedanken kam, der weiß, daß seine eigentliche Meinung nicht mitteilbar ist, weil Eigenart einzig ist und im gleichen Sinne nur von einem verstanden werden kann, wie das Sein einer bestimmten Persönlichkeit nur von dieser einen gelebt zu werden vermag.

Hermann Keyserling, Reisetagebuch eines Philosophen 

 

 

The times are like that, Mrs Verma said sadly. Nothing's whole any more. If we wait for everything to be right again, we'll wait forever while the world falls apart. The only hope is to make do with what we've got.   

 

What you heard is rhetoric. How can rhetoric be real or unreal? Rhetoric is a language flexing its muscles. You wouldn't understand: you've spent too many years reading novels about drawing-rooms in a language whose history has destroyed the knowledge of its own body.

Amitav Ghosh, The Circle of Reason 

 

 

Warum ist man nur immer mit dem ersten Impuls im Gehirn zufrieden, und redet oder handelt. Mit ein wenig mehr Sorgfalt würden so viele Probleme entfallen. Verkehrschaos, schlechtverarbeitete Schuhe, unglückliche Ehen, das alles muss es doch nicht geben,wenn die Leute ein weniger länger nachdächten. Aber das ist zu anstrengend, zu uninteressant, da muss sofort wieder ein neuer Impuls her. Was hätte sich für ein Elend verhindern lassen, wenn man das Zuendedenken in der Schule lernen würde.

Sibylle Berg, Vielen Dank für das Leben 

 

Obwohl es Sokrates und den Geistern seines Schlages zustehen mag, durch Vernunft Tugend zu erwerben, würde das Menschengeschlechts schon lange nicht mehr bestehen, wenn seine Erhaltung nur von den Vernunftäußerungen derjenigen abhängig gewesen wäre, aus denen es sich zusammensetzt.  

Jean-Jacques Rousseau, Abhandlung über den Ursprung
und die Grundlagen der Ungleichheit
unter den Menschen
 

 

 

Denn nicht das ist das Höchste und Seltenste, das Niedagewesene zu finden, sondern das alltäglich Gewordene, das allen Gegebene, aufzutun zur ganzen Fülle seiner Möglichkeiten im Menschengeist.

Lou Andreas-Salomé, Erotik

 

 

The great Sufi poet and philosopher Rumi once advised his students to write down the three things they most wanted in life. If any item on the list clashes with any other item, Rumi warned, you are destined for unhappiness. Better to live a life of single-pointed focus, he taught. But what about the benefits of living harmoniously amid extremes? What if you could somehow create an expansive enough life that you could synchronize seemingly incongruous opposites into a worldview that excludes nothing?  

Elizabeth Gilbert, Eat Pray Love.
One Woman's Search for Everything.
 

 

Ich weis, welche Freude, welches Behagen mir ein Fünkchen Wahrheit in einer Schrift aufbewahrt macht! Nur davon bekömmt die Vergangenheit Leben, die Gegenwart Festigkeit und einen künstlerischen Standpunkt, betrachtet zu werden; nur Empfindungen, Betrachtungen durch die Historie erregt, schaffen Muße, Götterzeit, und Freyheit; wo sonst nur allein Stoßen und Drängen, und schwindliches Sehen und Thun möglich ist; im wirklichen Leben des bedingten beschränkten Tages, wie er vor uns steht!  

Rahel Varnhagen von Ense, Rahel.  

Ein Frauenleben in Briefen  

 

 

Die Behauptung, daß wir nur Einmal, nur Einen einzigen Gegenstand lieben können, ist ein phantastischer, ja schädlicher Irrthum. Wir begegnen im Leben mehrern Wesen, zu denen uns die Neigung hinzieht, und die wir lieben könnten, wenn die Mächte des Schicksals die zarte Blume zur Reife brächten, denn diese Neigung allein ist nicht Liebe zu nennen.  

Sophie Mereau, Amanda und Eduard 

 

 

Eingestehen muß man, daß, wenn mit dem Denken einmal der Anfang gemacht ist, das Stillstehn sehr schwer ist.  

Madame de Stael, Über Deutschland

 

Denken - - . Unter zehn Menschen können nicht zwei denken, und ein richtiger, wahrer Denker findet sich noch unter tausend nicht – und ich sage tausend Deutsche – die denkendste unter allen Nationen. Denken – die meisten Menschen haben noch keinen Begriff, was dieses Wort in sich faßt – alle Fähigkeiten des Geistes auf einen Gegenstand heften, ihn durchdringen, ihn von allen Seiten beleuchten, ihn dem Für und Wider des Scharfsinns wie einer Wasser- und Feuerprobe unterwerfen – ihn durch anderer Menschen Weisheit behutsam durchsichten und dabei recht Acht haben, daß uns nichts Falsches imponiere, nichts nur Liebliches irre leite, daß nichts Äußerliches uns unterjoche – die Vernunft als Mentor nie aus den Augen lassen – dann das Herz reinigen von Nebenabsichten und in letzter Instanz an das Gefühl als Bestätiger appellieren – dies ist, meines Erachtens, der Prozeß des guten und nützlichen Denkens.  

Jenny von Gustedt 

 

 

Wo die Welt aufhört, Schauplatz des persönlichen Hoffens, Wünschens und Wollens zu sein, wo wir uns ihr als freie Geschöpfe bewundernd, fragend, schauend gegenüberstellen, da treten wir ins Reich von Kunst und Wissenschaft ein. Wird das Geschaute und Erlebte in der Sprache der Logik nachgebildet, so treiben wir Wissenschaft, wird es durch Formen vermittelt, deren Zusammenhänge dem bewussten Denken unzugänglich, doch intuitiv als sinnvoll erkannt sind, so treiben wir Kunst. Beiden gemeinsam ist die liebende Hingabe an das Überpersönliche, Willensferne.

Albert Einstein, Das Gemeinsame am künstlerischen und wissenschaftlichen Erleben  

 

Der Logos des Westens war durch die griechischen Vorentscheidungen zu einer pathetischen Verarmung aller Weltbezüge vorverurteilt, und bis heute stehen das wissenschaftliche wie das philosophische Denken im Schatten dieser Fatalität - indessen Formen eines reicheren (wenn auch weniger "operativen") Weltwissens in der erzählenden Literatur, in der Poesie, in den Künsten, in der Normalsprache, in den Sprichwörtern, in den Mythen und den Gemeingeistkonzeptionen der "Religionen" fortleben. Es gehört zu den Ironien unserer intellektuellen Zivilisation, das sie seit geraumer Zeit - spätestens seit dem Tode Hegels - einen Großteil ihrer Energie in die Aufgabe investieren mußte, die Vereinseitigungen, die Verkünstlichungen, die Verkürzungen, die Verzerrungen, die Verstiegenheiten und die Verblendungen zu korrigieren, die sie infolge ihrer anfänglichen Mißgriffe selbst erzeugt hat.

Peter Sloterdijk, Scheintod im Denken 

 

Ich bewundere, Ibben, die Vorsehung wegen der Art, wie sie die Reichtümer verteilt hat. Wenn sie diese nur den rechtschaffenen Menschen zugeteilt hätte, so hätte man die Reichtümer nicht genügend von der Tugend unterschieden und nicht ihre ganze Nichtigkeit empfunden. Wenn man aber genauer untersucht, wer am meisten davon besitzt, dann kommt man endlich durch die Verachtung der Reichen dazu, auch die Reichtümer zu verachten.

Montesquieu, Persische Briefe 

 

Also brauchen besonders viel Gerechtigkeit und Selbstzucht jene, denen es vollkommen gut zu gehen scheint und die alle die selig gepriesenen Güter genießen - jene Güter, so wie sie sich nach den Dichtern auf den Insel der Seligen finden. Solche brauchen am allermeisten die Philosophie und die Zucht und Gerechtigkeit, je mehr sie in der Fülle solcher Güter in Muße leben.

Aristoteles, Politik 

Why do cats sleep so much? Perhaps they've been trusted with some major cosmic task, an essential law of physics - such as: if there are less than five million cats sleeping at any time the world will stop spinning. So that when you look at them and think, what a lazy, good-for-nothing-animal, they are, in fact, working very, very hard.

Kate Atkinson, Human Croquet 

 

The era of big data challenges the way we live and interact with the world. Most strikingly, society will need to shed some of its obsession for causality for simple correlations: not knowing why but only what. This overturns centuries of established practices and challenges our most basic understanding of how to make decisions and comprehend reality.  

Viktor Mayer-Schönberger/Kenneth Cukier,  

Big Data. A Revolution That Will Transform  

How We Live, Work and Think 

 

 

„Young man“, the old monk said, „tell me: is it the wind that is in motion, or is it only the flag that is moving?“ I said: “Both are moving, Holy One”. The monk shook his head, clearly disappointed by my ignorance. “One day you will realize that there is no wind, and the flag does not move”, he said. “It is only the hearts and minds of men that are restless.”

Tan Twang Eng, The Garden of Evening Mists

 

Man hat gewisse Fragen den Menschen aus dem Herzen genommen. Man hat für hochfliegende Gedanken eine Art Geflügelfarm geschaffen, die man Philosophie, Theologie oder Literatur nennt, und dort vermehren sie sich in ihrer Weise immer unübersichtlicher.     

Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften 

   

 

Anstatt die Filosofie mit Cicero als die Wissenschaft der göttlichen und menschlichen Dinge zu definieren, möchte ich sie lieber die Wissenschaft der Begriffe nennen, welche sich die Menschen von natürlichen und göttlichen Dingen machen können und die Kritik aller Begriffe, die sie sich von jeher wirklich davon gemacht haben.   

Christoph Martin Wieland, Über den freyen Gebrauch der Vernunft in Glaubenssachen

 

 

Unadjusted impressions have their value, and the road to a true philosophy of life seems to lie in humbly recording diverse readings of its phenomena as they are forced upon us by chance and change. 

 

Movement and change are the essence of our being; rigidity is death; conformity is death; let us say what comes into our heads, repeat ourselves, contradict ourselves, fling out the wildest nonsense, and follow the most fantastic fancies without caring what the world does or thinks or says. For nothing matters except life; and, of course, order.  

Virginia Woolf, Essays

 

 

Was der Philosophie am meisten gefehlt hat, ist die Präzision. Die philosophischen Systeme sind nicht auf die Wirklichkeit, in der wir leben, zugeschnitten. Sie sind zu weit für sie. Man prüfe nur irgend ein passend ausgewähltes unter ihnen, so wird man sehen, daß es ebensogut auf eine Welt passen würde, in der es weder Pflanzen noch Tiere, in der es nichts als Menschen gäbe, und der sich die Menschen des Essens und Trinkens enthielten, in der sie weder schliefen noch träumten, noch ihre Gedanken ziellos schweifen ließen, in der sie altersschwach geboren würden, um als Säuglinge zu enden, in der sich die Energie nicht zerstreute, sondern konzentriere, kurzum auf eine Welt, in der alles gegen den Strich ginge und sich ins Gegenteil verkehrte. Ein richtiges System ist eben eine Gesamtheit von so abstrakten und infolgedessen unbestimmten Begriffen, daß man hierin neben dem Wirklichen alles Mögliche und selbst Unmögliche unterbringen kann.  

Henri Bergson, Denken und schöpferisches Werden

 

 

Well, you can think by deliberate voluntary action, too, and I don't think it is much more efficient on the whole than voluntary breath control is. You can deliberatly force your mind through channels of deduction and associations in search of a solution to some problem and before long you have dug mental furrows for yourself and find yourself circling round and round the same limited pathways. If those pathways yield no solution, no amount of further conscious thought will help. On the other hand, if you let go, then the thinking process comes under automatic voluntary control and is more apt to take new pathways and make erratic associations you would not think of consciously. The solution will then come while you think you are not thinking.

Isaac Asimov, The Eureka Phenomenon)

 

Ist es möglich, denkt es, daß man noch nichts Wirkliches und Wichtiges gesehen, erkannt und gesagt hat? Ist es möglich, daß man Jahrtausende Zeit gehabt hat, zu schauen, nachzudenken und aufzuzeichnen, und daß man die Jahrtausende hat vergehen lassen wie eine Schulpause, in der man sein Butterbrot ißt und einen Apfel?  

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien.  

Ja, es ist möglich.  

Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des 

Malte Laurids Brigge

 

Keinen, auch nicht den edelsten Wunsch müsse man übertreiben, seine menschliche Bestimmung erkennen und sich, selbst bei dem wirksamsten Streben, der hohen Haushaltung des Schicksals unterwerfen. Es scheint, daß wir diesen sanften Umriß eines menschlichen Daseyns ziemlich aus den Augen verlohren haben, indem wir statt dieser Schranken so gern das Unendliche im Sinn haben und glauben, daß die Vorsehung immer nur dazu mit uns beschäftigt seyn müsse, um uns aus unsern Grenzen zu rücken, unsre Schranken unendlich zu erweitern und uns die Ewigkeit in die Zeit d.i. den Ocean in der Nußschaale zu genießen zu geben. Unsre Metaphysik und Wortphilosophie unser Jagen nach Känntnissen und Gefühlen, die über die menschliche Natur hinaus sind, kennt keine Schranken und so sinken wir, nachdem wir uns in jungen Jahren vergeblich aufgezehrt haben, im Alter wie Asche zusammen, ohne Form des Geistes und Herzens, vielmehr also ohne jene schöne Form der Menschheit, die wir doch wirklich erreichen konnten. Wie selten ist in manchen Zeitaltern der Geschichte jene einfältig schöne Gestalt, nach der die besten Menschen des Alterthums, nicht im Wissen, sondern in der Lebensweisheit strebten, indem sie ihr Daseyn als einen Marmor ansahen, dem sie zu allen Verhältnissen eine schöne Gestalt geben sollten und ihre Leben als ein Saitenspiel betrachteten, das mannichfaltig, aber immer harmonisch klingen mußte.

Johann Gottfried Herder, Nemesis


Ein einziger mit einem Manne zugebrachter Tag ist der beste Schlüssel und Commentar zu seinen Werken. 

Christoph Martin Wieland, Brief an Archenholz vom 1.2.1784

 

„Ich kann dir mein Geheimnis mit drei Worten sagen“, erwiderte der Alte lächelnd: „Arbeit, Vergnügen und Ruhe, jedes in kleinem Maße, zugleichen Teilen vermischt, und nach dem Winke der Natur abgewechselt, wirken dieses Wunder“.

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Bei Auflösung aller Fragen, von welcher Art sie sein mögen, deucht mir die natürlichste und einfältigste Methode gerade die beste. Diese Maxime gilt vornehmlich, wenn von politischen Aufgaben die Rede ist, wo ganz unfehlbar die verwickelten und weitläufigen Auflösungen noch unbrauchbarer sind als bei allen anderen. 

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Die Freiheit (fuhr Tifan fort), womit sich die Menschen so viel wissen, ist so wenig für sie gemacht, daß sie, sobald sie Mittel finden, sich ihrer zu bemächtigen, ein so kostbares Gut zu nichts zu gebrauchen wissen, als sich selbst und andern Schaden damit zu tun.

Christoph Martin Wieland, Der goldne Spiegel 

 

 

 

 

 


 


 


 

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