Minutiae
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Minutiae

kleine, scheinbar unwichtige Details des täglichen Lebens

auch:

Als Minutiae werden Endungen und Verzweigungen der Papillarlinien eines Fingerabdrucks bezeichnet. Diese charakteristischen Punkte der Hautrillen sind für jeden Menschen und Finger einmalig und nicht veränderbar.

oder:

I think I can see the precise and distinguishing marks of national characters more in these nonsensical minutiae, than in the most important matters of state; where great men of all nations talk and talk so much alike, that I would not give ninepence to choose amongst them.

Laurence Sterne, The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman


Mission Statement Minutiae
Begleitstimmen und DenkpatInnen

Ich glaube es würde angenehm und nicht unnütz sein, wenn man Geschichten von der Art, wie sie bisher erzählt worden und deren uns manche im Leben vorkommen, aufsetzte und sammelte. Leise Züge, die den Menschen bezeichnen, ohne daß gerade merkwürdige Begebenheiten daraus entspringen, sind recht gut des Aufbehaltens werth. Der Romanschreiber kann sie nicht brauchen, denn sie haben zu wenig Bedeutendes, der Anekdotensammler auch nicht, denn sie haben nichts Witziges und regen den Geist nicht auf; nur derjenige, der, im ruhigen Anschauen, die Menschheit gerne faßt, wird dergleichen Züge willkommen aufnehmen. 

Goethe, Die guten Weiber

 

Meine Herrin«, fuhr sie fort, »ist von der Wichtigkeit des augenblicklichen Gesprächs höchlich überzeugt; dabei gehe vorüber, sagt sie, was kein Buch enthält, und doch wieder das Beste, was Bücher jemals enthalten haben. Deshalb machte sie mir's zur Pflicht, einzelne gute Gedanken aufzubewahren, die aus einem geistreichen Gespräch, wie Samenkörner aus einer vielästigen Pflanze, hervorspringen. 

Ein Eklektiker aber ist ein jeder, der aus dem, was ihn umgibt, aus dem, was sich um ihn ereignet, sich dasjenige aneignet, was seiner Natur gemäß ist. 

 Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre

 

Da man in der letzten Zeit mit niemand mehr reden mag, so lasse ich einstweilen drucken, wer’s liest, nehme es auf, lehne es ab, darüber bleibe ich ganz ruhig. Wenn ich nichts zu sagen hätte, als was den Leuten gefiele, so schwiege ich gewiß ganz und gar stille. Wenn meine Freunde mich nur immer wieder erkennen!

Goethe, Brief an Schultz, Juni 1818

 Außerdem will ich euch sagen, daß die Vorsehung mich, der ich ganz in die Natur eingebunden bin, im voraus dazu bestimmt hat, diese Betrachtungen zu schreiben, so wie sie fünf oder sechs Leser vorausbestimmt hat, Nutzen daraus zu ziehen, fünf, sechs andere, sie zu verschmähen und sie im übrigen der ungeheuren Masse unnützer Schriften zu überlassen.

Voltaire, Der unwissende Philosoph

He thought that good literature was common enough, that there is scarce a dialogue in the street which does not achieve it. He also thought that the aesthetic art can not be carried out without some element of astonishment, and that to be astonished by rote is difficult. 

Jorge Luis Borge, An Examination of the Work of Herbert Quaint

Wie möchten wir denn vergangene Zustände uns selbst wieder hervorrufen und der Welt getrost mitteilen, wenn wir nicht Glauben und Überzeugung hätten, es werden sich begabte Geister finden, die das alles aufnehmen, wie es gegeben ist, in welchen gleiche Gesinnungen auf- und absteigen, gleiche Erfahrungen zu denselben Resultaten führen.

 Goethe, Brief an Rochlitz, 6. April 1830

Man hat sehen zu lernen, man hat denken zu lernen, man hat sprechen und schreiben zu lernen.

Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung

First Thoughts are the everyday thoughts. Everyone has those. Second Thoughts are the thoughts you think about the way you think. People who enjoy thinking are having those. Third Thoughts are thoughts that watch the world and think all by themselves. They're rare and often troublesome. 

Terry Pratchett, A Hat Full of Skies

Her original power was nothing more than was due to earnestness and intellectual clearness within a certain rangeWith small imaginative and suggestive powers, and therefore nothing approaching to genius, she could see clearly what she did see, and give a clear expression to what she had to say. In short, she could popularize while she could neither discover nor invent.

Harriet Martineau, An Autobiographic Memoir

Das kann aber einem denkenden Menschen nie begegnen, so lange es noch Dinge überhaupt für ihn auf der Welt gibt; denn an jeden Gegenstand, sei er auch noch so scheinbar geringfügig, lassen sich interessante Gedanken anknüpfen, und das ist eben das Talent der Dichter, welche ebensowenig wie wir in Arkadien leben, aber das Arkadische oder überhaupt interessante an dem Gemeinsten, das uns umgibt, heraus finden können. Wenn wir weiter nichts zu tun wissen, so treten wir ans Fenster, und machen Glossen über die Vorbeigehenden, aber gutmütige, denn wir vergessen nicht, daß wenn wir auf der Straße gehen, die Rollen getauscht sind.

Heinrich Kleist, Briefe

Mir scheint es eine Menschenpflicht, hingeworfene Gedanken aufzunehmen, fortzusetzen, zu prüfen. Die Fragen eines Gestorbenen müssen nicht mit ihm gestorben sein; dazu ist Schrift und Buchdruckerei, dazu sind wir da. 

Johann Gottfried Herder, Zerstreute Blätter

If you write, write from the heart, yet carefully, objectively. Never pose. Write little things which you think are true. Then you may sometimes find that they are beautiful as well.

 Iris Murdoch, The Black Prince

Weil Schriften, deren Wert nur in den Resultaten liegt, die sie für den Verstand enthalten, auch wenn sie hierin noch so vorzüglich wären, in demselben Maße entbehrlich werden, als der Verstand entweder gegen diese Resultate gleichgültiger wird, oder auf einem leichtern Weg dazu gelangen kann: da hingegen Schriften, die einen, von ihrem logischen Gehalt unabhängigen Effekt machen, und in denen sich ein Individuum lebend ausdrückt, nie entbehrlich werden, und ein unvertilgbares Lebensprinzip in sich enthalten, eben weil jedes Individuum einzig und mithin auch unersetzlich ist.

Schiller, Brief an Fichte, 4. August 1795

 Daß man wertvolle eigene Meditationen möglichst bald niederschreiben soll, versteht sich von selbst: vergessen wir doch bisweilen was wir erlebt, wie viel mehr was wir gedacht haben. Gedanken aber kommen nicht, wann wir, sondern wann sie wollen. Hingegen, was wir von Außen fertig empfangen, das bloß Erlernte, was sich auch jedenfalls in Büchern wiederauffinden läßt, ist es besser nicht aufzuschreiben.

 Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipmena

Wir haben das unabweisliche, täglich zu erneuernde, grundernstliche Bestreben, das Wort mit dem Empfundenen, Geschauten, Gedachten, Erfahrenen, Imaginierten, Vernünftigen möglichst unmittelbar zusammentreffend zu erfassen. 

Johann Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen


 Folgende Blätter streu ich ins Publikum mit der Hoffnung, daß sie die Menschen finden werden, denen sie Freude machen können. Sie enthalten Bemerkungen und Grillen des Augenblicks ... Sei's also nur denen, die einen Sprung über die Gräben, wodurch Kunst von Kunst gesondert wird, als Salto mortale nicht fürchten, und solchen, die mit freundlichem Herzen aufnehmen, was man ihnen in harmloser Zutraulichkeit hinreicht. 

Goethe, An den Leser

Die Fragmente eines ganzen Lebens nehmen sich freilich wunderlich und inkohärent genug nebeneinander aus; deswegen die Rezensenten in einer gar eigenen Verlegenheit sind, wenn sie mit gutem oder bösem Willen das Zusammengedruckte als ein Zusammengehöriges betrachten wollen. Der freundschaftliche Sinn weiß diese Bruchstücke am besten zu beleben.

An Carl Friedrich Zelter, 22. Juni 1808

Perhaps in future generations a law would be passed allowing consenting adults to practice art openly; an Intellect Relations Board might be set up to encourage tolerance towards people who, through no fault of their own, were interested in ideas. Meanwhile, it was just as well to keep quiet and play the fool. 

  Edward St. Aubyn, Lost for Words

 Aber Selbsterforschung ist meist schon der erste Schritt zur Wandlung, und ich erfuhr, daß niemand ganz der bleibt, der er war, indem er sich erkennt.

    Thomas Mann, On Myself 

 Aber der Mensch ist nur geschaffen, um täglich ein wenig an Nahrung, Farben, Tönen, Empfindungen, Ideen zu kosten. Was über das Maß hinausgeht, ermüdet oder berauscht ihn; es ist der Stumpfsinn des Trunkenbolds, es ist die Narrheit des Estatikers. 

Gustave Flaubert, Über Feld und Strand

Sich genügen lassen. - Die erlangte Reife des Verstandes bekundet sich darin, dass man dorthin, wo seltene Blumen unter den spitzigsten Dornenhecken der Erkenntnis stehen, nicht mehr geht und sich an Garten, Wald, Wiese und Ackerfeld genügen lässt, in Anbetracht, wie das Leben für das Seltene und Außergewöhnliche zu kurz ist.  

Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Let us record the atoms as they fall upon the mind in the order in which they fall, let us trace the pattern, however disconnected and incoherent in appearance, which each sight or incident scores upon theconsciousness. Let us not take it for granted that life exists more fully in what is commonly thought big than in what is commonly thought small.

Viriginia Woolf, Modern Fiction

Whether it’s a symphony or a coal mine, all work is an act of creating and comes from the same source: from an inviolate capacity to see through one’s own eyes – which means: the capacity to perform a rational identification – which means: the capacity to see, to connect und to make what had not been seen, connected and made before.

 Ayn Rand, Atlas Shrugged 

Selbst wenn wir wissen, daß ein nie zustande kommendes Werk schlecht sein wird, ein nie begonnenes ist noch schlechter! Ein zustande gekommenes Werk ist zumindest entstanden. Kein Meisterwerk vielleicht, aber es existiert, wenn auch kümmerlich wie die Pflanze im einzigen Blumentopf meiner gebrechlichen Nachbarin. Diese Pflanze ist ihre Freude, und hin und wieder auch die meinige. Was ich schreibe und als schlecht erkenne, kann dennoch die eine oder andere verwundete, traurige Seele für Augenblicke noch Schlechteres vergessen lassen. Ob es mir nun genügt oder nicht, es nützt auf irgendeine Art, und so ist das ganze Leben.  

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares 

Der Parnaß ist ein Mont Serrat, der viele Ansiedlungen, in mancherlei Etagen erlaubt; ein jeder gehe hin, versuche sich und er wird eine Stätte finden, es sei auf Gipfeln oder auf Winkeln.

Goethe, Antik und Modern

Die Sachen anzusehen so gut wir können, sie in unser Gedächtnis schreiben, aufmerksam zu seyn und keinen Tag, ohne etwas zu sammeln, vorbeygehen lassen. Dann, jenen Wissenschaften obliegen, die dem Geist eine gewisse Richte geben, Dinge zu vergleichen, jedes an seinen Platz zu stellen, jedes Wert zu bestimmen. 

Goethe, Brief vom 24.8.1770

Ich wollte die Philosophie in einer Weise behandeln, die ganz und gar nicht philosophisch sein sollte; ich habe mich bemüht, sie in einen Zustand zu bringen, in dem sie für die Leute von Welt nicht zu trocken und für die Gelehrten nicht zu unernst ist. […] Es kann durchaus geschehen, daß ich auf der Suche nach einem Mittelweg, bei dem die Philosophie allein angemessen wäre, einen solchen gefunden habe, bei dem sie niemandem angemessen ist: Die Mittelwege lassen sich zu schwer einhalten.

Bernard le Bovier de Fontenelle, Philosophische Neuigkeiten für Leute von Welt und für Gelehrte

My ideal is the cocktail-party chat: getting across a profound idea in a brisk and amusing way to an interested friend by stripping it down to its essence (perhaps with a few swift pencil strokes on a napkin). The goal is to enlighten the newcomer while providing a novel twist that will please the expert. And never to bore. 

Jim Holt, When Einstein walked with Gödel     

Life isn't a support-system for art .It's the other way round. 

Stephen King, On Writing

Verzeihung meinen Verworrenheiten!

Goethe, Brief an Voigt, September 1817

Die moralische Weltordnung erhalte dich!

Goethe, An Zelter, 3. Mai 1816 

zuletzt aktualisiert: 29.6.2021