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 NEU: Trinken die Mondbürger auch Wein?
Philosophische Bemerkungen und scherzhafte Gedichte
von Johanne Charlotte Unzer

(Klappentext)

Sie war eine Frau, aber das gehört nicht zur Sache. Sie schrieb, da war sie noch blutjung und gerade verheiratet, eine Einführung in die Philosophie. Den Inhalt hat sie sich nicht ausgedacht; das alles steht mehr oder weniger so bei den männlichen Philosophen der Zeit, die auf den Akademien lehren. Aber sie hat die gute alte Weltweisheit neu eingekleidet, mit Dichtung angereichert und mit Lebenserfahrung bodenverhaftet. Außerdem hat sie Gedichte geschrieben, in denen es um Wein, Weib und Gesang geht. Das alles machen die männlichen Dichter ihrer Zeit mehr oder weniger genauso. Aber wie sich Wein, Weib und Gesang umstimmen lassen, wenn man sie in einen Syllogismus verpackt, das hat nur sie gezeigt. Und dann hat sie, da war sie schon älter und ihre Kinder waren gestorben, ein Gedicht über die Verwesung geschrieben, das einem jeden, Frau oder Mann, den Atem stocken lassen sollte. Sie hieß Johanne Charlotte Unzer, und sie lehrte die Aufklärung das Scherzen. Dass sie eine Frau war, tut nichts zur Sache. 

Dieses Buch enthält kommentierte Auszüge aus Johanne Charlotte Unzers (1725-1782) 'Grundriß einer Weltweisheit für das Frauenzimmer' und eine Auswahl ihrer philosophischen Scherzgedichte. Ein einleitender Essay stellt die Autorin vor und ordnet sie in die Debatten der philosophischen Aufklärung ein. Für die Lektüre sind keine philosophischen Vorkenntnisse nötig.
 


Leseprobe

I. Die Autorin wird vorgestellt: Wer war Johanne Charlotte Unzer?

Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre sie nie eine Autorin geworden. Sie hatte doch nur Briefe mit ihrem Ehemann gewechselt! Man war frischverheiratet, der junge Arzt war von Halle nach Hamburg umgesiedelt, wo er eine vielversprechende Praxis eröffnet hatte; und bald würde sie, Johanne Charlotte geborene Ziegler, ihm dorthin nachfolgen. Und um die Trennung zu überbrücken, wechselte man eben Briefe. Es waren jedoch keine gewöhnlichen Liebesbriefe, oh nein; und eine andere, schwächere Frau als Johanne hätte sie wahrscheinlich eher als das Gegenteil eines Liebesbriefs bezeichnet. Denn Johann August schickte seiner Herzallerliebsten Johanne viele eng beschriebene Seiten mit – einer selbst gefertigten Übersetzung einer neuen philosophischen Schrift aus dem Lateinischen. Es handelte sich dabei um Alexander Baumgartens Metaphysica; einem Grundwerk der sich seit einiger Zeit in Halle, der gemeinsamen Heimat von Johanne und Johann, formierenden neuen deutschen Schul- und Systemphilosophie, die die berühmte „mathematische Methode“ jetzt auch in Deutschland zur allerneuesten akademischen Mode gemacht. Aber Baumgartens akademische Grundlagenschrift war natürlich in der akademischen lingua franca verfasst, lateinisch also – schließlich war sie für Gelehrte bestimmt, nicht aber für bildungshungrige Frauenzimmer, die von ihrem Ehemann ein wenig Philosophie-Nachhilfe bekamen. Und so bekam Johanne, zur Vermählung sozusagen, wahrscheinlich die erste Übersetzung der Metaphysica ins Deutsche überhaupt. Und sie schlug sie ihrem fernen Ehemann nicht um die mit philosophischer Röte angehauchten Medizinerohren, sondern sie – verschlang sie, versuchte sie zu verstehen, fragte zurück, suchte nach Beispielen, fand sie in der Literatur; ja, kommentierte und kritisierte Baumgarten sogar gelegentlich. Unerhört. Sie, das „Frauenzimmer“, kaum 34 Jahre alt! Aufgewachsen nicht nur ohne Lateinunterricht, sondern wahrscheinlich ohne formale Bildung überhaupt! Woher wir das alles wissen? Nun, die ehelichen Briefe sind leider nicht überliefert; überliefert ist aber Johanne Charlotte Unzers Grundriß einer Weltweisheit für das Frauenzimmer, veröffentlicht 1751, beinahe die erste Schrift ihrer Art und sozusagen das bereinigte Protokoll des Briefverkehrs. Wie konnte das passieren? Wie wurde Johanne Charlotte Unzer eine Weltweise?

[...]

II. Der Aufbau wird erklärt – Leseanweisung

Auf den folgenden Seiten kommt zunächst Johanne Charlotte Unzer selbst zu Wort. In chronologischer Reihenfolge werden Auszüge aus ihrem philosophischem Werk, dem Grundriß einer Weltwissenschaft für das Frauenzimmer, sowie eine Auswahl ihrer Gedichte aus dem Versuch in Scherzgedichten und den Sittlichen und zärtlichen Gedichten abgedruckt. Den Abschluss bildet eine akademische Preisschrift ihres Onkels und Mentors Johann Gottlob Krüger.

Die Auszüge aus dem philosophischen Werk stellen nur einen kleinen Teil der sehr umfangreichen Originalschrift dar. Die vorgenommene Auswahl soll vor allem die Art und Weise illustrieren, wie Unzer denkt und welche Darstellungsverfahren sie benutzt, um philosophische Überlegungen für die Frauen ihrer Zeit interessant und nachvollziehbar zu machen. Dafür musste der systematische Textzusammenhang des Originals weitgehend zerstört werden. Es empfiehlt sich also, diese Auszüge jeweils als eigenständige Textbausteine zu lesen, die hoffentlich Unzers Ideal einer gleichzeitig unterrichtenden und unterhaltenden Darbietung gerecht werden. Die vollständigen Texte sind bei googlebooks online zugänglich.

[...]

III. Das Land der Vernunft wird betreten: Auszüge aus dem
Grundriß einer Weltwissenschaft für das Frauenzimmer

 [Philosophen sind Kinder, die immer „Warum?“ fragen]

 § 7

Weil die Philosophie eine Wissenschaft ist: So muss alles, was darinnen vorkommt, auf eine richtige Art aus gewissen Gründen hergeleitet werden. Wäre dieses nicht, so würde unter einer Wissenschaft, dergleichen die Philosophie ist, und unter einer schlechten Kunst kein Unterschied sein. Gleichwohl muss dieses kein Philosoph an sich kommen lassen. Wir müssen alle ebenso ehrgeizig sein als Pythagoras gewesen, von welchem man erzählt, dass er, als ihn Leon, ein gewisser Fürst, dem seine Weisheit wohlgefallen, gefragt, welcher Kunst er doch eigentlich ergeben wäre, zur Antwort gab: Ich verstehe keine Kunst, aber ich bin ein Philosoph.[1] Nur schlechte Leute müssen etwas behaupten, ohne Gründe davon angeben zu wissen. Philosophen sind Männer voller majestätischer Hoheit, aber im Übrigen wie Kinder, die bei allem, was sie sehen, fragen: Warum?  

[Philosophen  wollen wie Gott allwissend sein. (Sie sind es nicht!)]

§ 8

Man kann leicht urteilen, dass ein Philosoph viel wissen muss, da er alle Dinge zu Gegenständen hat und ihre Beschaffenheit untersucht. Er fängt von Gott an und hört auf bei den Gliedmaßen der allerkleinsten Insekten. Indessen darf sich doch niemand einbilden, dass die Philosophen allwissend wären; denn es ist eine andere Sache, sich zu bemühen den Grund von allem zu wissen, und wirklich von allem eine hinlängliche Erkenntnis zu besitzen. Ein Philosoph setzt sich keinen geringeren Endzweck, als Gott ähnlich zu werden, der allein alles weiß. Kann er nun gleich denselben nicht erreichen, so kommt er ihm doch immer näher, und diese ewige Näherung macht ihn endlich zu einem Gotte der niederen Art. (Fußnote: Doch gibt es unter diesen Göttern einige, die wie die Hausgötter der Römer sind, mit welchen es nicht viel zu bedeuten hat) Am allerwenigsten haben meine Leserinnen zu befürchten, dass sie ihren Namen und die Beschaffenheiten ihrer werten Personen in der Philosophie werden aufgezeichnet finden. Denn ob wir uns gleich allesamt ebenfalls unter die Dinge zu zählen haben; so sind doch die Beschaffenheiten einzelner Dinge nicht dasjenige, was die Philosophen in Betrachtung ziehen. Nur allgemeine Beschaffenheiten der Dinge werden in der Philosophie vorgetragen, und man muss es der Beurteilung der Philosophen anheimstellen, welche Beschaffenheiten sie für allgemein genug halten, dass sie Objekte der Weltweisheit werden könnten.

[Professoren können keinen Hexelstich. Die Autorin kann kein Griechisch]

 

§ 10

Ob uns gleich nicht viel daran gelegen sein kann, woher die Wörter Philosophie und Weltweisheit ihren Ursprung nehmen; so kann ich doch nicht unterlassen, davon einige Nachricht zu geben. Man muss also wissen, dass das Wort Philosophie ein griechisches Wort sei und etwa so viel heiße als Liebe zur Weisheit. So habe ich mir die Sache erzählen lassen: Denn ich will nimmermehr hoffen, dass man in dem Gedanken stehen sollte, dass ich die griechische Sprache verstünde. Ich mache mir in Wahrheit ein Gewissen daraus,[2] so hoch gelehrt zu sein; und wenn ich ein Frauenzimmer sehe, das im griechischen Testament[3] liest, so kommt es mir ebenso lächerlich vor, als wenn ich sähe, dass ein Professor den Hexelstich[4] nähte. Ich will es demnach hiermit voraus melden, dass man sich vor dergleichen Gelehrsamkeit in gegenwärtiger Schrift nicht wird zu fürchten haben. Wenn ich demnach bei unserer Muttersprache bleiben will, so muss ich sagen, dass Weltweisheit[5] ein Wort sei, welches anzeigen soll, dass die Wissenschaft, welche also genannt wird, nicht von solchen Sachen handele, die unmittelbar von Gott herrühren, dergleichen diejenigen Wahrheiten sind, so in der Heiligen Schrift vorgetragen werden, sondern von solchen, die diesen Wahrheiten entgegen gesetzt sind und welche man insgemein weltliche Sachen nennt. 

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[1]     Der antike Philosoph Pythagoras von Samos (510-570 v. Chr.) gründete eine eigene, lange Zeit sehr einflussreiche philosophische Schule. Über ihn sind viele Legenden überliefert. Die Anekdote über das Gespräch mit Leon, dem Tyrannen von Philius, findet sich in Ciceros Tusculanischen Gesprächen.

[2]     Gemeint ist: „Ich habe ein schlechtes Gewissen deswegen“.

[3]     Das Alte Testament war ursprünglich in Hebräisch und Aramäisch verfasst, das Neue Testament in Griechisch. Die Übersetzung der alttestamentarischen Bücher in die altgriechische Alltagssprache wurde unter dem Namen Septuaginta kanonisiert und zur Basis vieler weiterer Übersetzungen.

[4]     Ein bis heute gebräuchlicher Zierstich in der Stickerei.

[5]     Weltweisheit als eine deutsche Übersetzung von griech. philosophia meint die Kenntnis aller Dinge in der natürlichen Welt; ausgenommen ist also beispielsweise die Theologie als Wissen von den übernatürlichen Dingen, inbegriffen sind hingegen alle Wissenschaften von der Natur.

 

IV. Zur Weltweisheit gesellt sich die Naturlehre: Auszüge aus dem Grundriß einer natürlichen Historie und eigentlichen Naturlehre für das Frauenzimmer

 

[Beobachten uns die Mondbürger auch mit Ferngläsern?]

§ 196

Ich kann die Betrachtung unserer Sonnenwelt unmöglich verlassen, ohne einer Meinung zu gedenken, welche so angenehm ist, dass es mir leidtun sollte, wenn sie bloßer Traum wäre.  

Vielleicht ist unsre Welt, die wie ein Körnlein Sand
Im Meer des Himmels schwimmt, des Übels Vaterland:
Die Sterne sind vielleicht ein Sitz verklärter Geister;
Wie hier das Laster herrscht, ist dort die Tugend Meister,
Und dieser Punkt der Welt, von mind’rer Trefflichkeit,
Dient in dem großen All zu der Vollkommenheit:
Und wir, die wir die Welt im kleinsten Teile kennen,
Urteilen auf ein Stück, das wir vom Abhang trennen.  

Warum sollte wohl unsere kleine Erde allein mit Kreaturen, die leben und empfinden, besetzt sein? Was verhinderte die Natur, auch den Mond und die anderen Planeten zu bevölkern? Doch diese Fragen entscheiden noch nichts. Ich habe aber oben gezeigt, wie groß die Ähnlichkeit mit der Erde sei, und es erhellt aus allen bisherigen Betrachtungen, dass die übrigen Planeten nichts anderes sind, als was unsere Erde ist. Es gibt darinnen Berge und Täler, und Flüsse und Wolken, Tau, Nebel, Regen, Blitz und Ungewitter. Wozu würde alles dieses nutzen, wenn die Planeten nichts anderes als unbewohnte Wüsteneien wären? Warum erleuchtete unsere Erde der Mond, wenn niemand Nutzen davon hätte?[1] Warum sollte aber Jupiter vier und Saturn fünf Monde haben,[2] die unbewohnten Stellen zu erleuchten, die kein Auge sieht? Hätte der Herr v. Fontenelle nicht auf eine so reizende Art dargetan, dass es in dem weiten Himmel noch unzählige Kreaturen gäbe, die ebenso wie wir darin herumschwimmen: So würde ich hier einen Versuch tun, meine Leserinnen von einer Sache zu überzeugen, weswegen ich sie bedauere, wenn sie ihr ihren Beifall versagen. Wieviel Angenehmes lässt sich nicht dabei denken, wenn wir, so oft wir den Mond und das ganze Heer der Sterne betrachten, voraussetzen können, dass daselbst Kreaturen sind, die uns vielleicht eben jetzt durch ihre Ferngläser betrachten, die auf unserer Erde Berge und Meere gewahr werden, und vielleicht, ebenso wie wir, diejenigen unter sich für heimliche Freigeister halten, die sich dort unterstehen zu glauben, dass die Erde wohl bewohnt sein könnte! Doch ich muss aufhören hiervon zu reden, damit es nicht den Anschein gewinnt, als ob ich von den Mondbürgern Gelegenheit nehmen wollte zu beweisen, dass es unter den irdischen Gelehrten Leute gebe, die die allerwahrscheinlichste Sache leugnen, weil sie nicht mathematisch demonstriert werden kann.  

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[1]     Diese Stelle ist ein gutes Beispiel für eine teleologische Argumentation, wie sie in der zeitgenössischen Naturlehre und Philosophie häufig verwendet wurde. Voltaire hat diese Denkweise in seiner Satire Candide, oder der Optimismus (1759) persifliert: Offensichtlich sei die menschliche Nase zum Tragen von Brillen gemacht worden, wie die Existenz von Brillen hinlänglich beweise!

[2]     Gemeint sind Bernard de Fontenelles berühmte Unterhaltungen über die Vielzahl der Welten (1686), ein fiktives Gespräch, bei dem ein Gelehrter verschiedenen Frauen in leicht fasslicher Form das astronomische Wissen der Zeit präsentiert. 

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 V. Scherz und Vernunft vertragen sich gut:  Auszüge aus den Scherzgedichten

 Gespräch von den Mondbürgern

Jüngst fragt’ ich einen Weisen,
Der denkt wie Fontenelle,[1] 
Was seine Meinung wäre?
Ob er’s im Ernste glaubte,
Dass dort in jenen Kugeln,
Die in den Lüften glänzen,
Auch solche Menschen wohnten,
wie ich und meine Schwestern?
Liebt man in jenen Welten
Die Weisheit, die ihr liebet?
Wird man auch Schlüsse machen
und gründlich demonstrieren?
Wird auch, auf ihren Bergen,
Ein Weiser uns entdecken
Und schließen, dass wir wirklich?

Ja! sprach er, ganz mit Freuden,
Und wollte mir’s erweisen.
Er häufte viele Schlüsse
und machte dabei Mienen,
So ernsthaft und so mürrisch,
Dass ich bei seinen Mienen
An unsern Küster dachte.[2] 

Da sprach ich: Lieber Lehrer!
Ich will dir alles glauben,
Lass mich nur weiter fragen:
Sind auch im Monde Gleime?[3] 
Liebt man auch grüne Hecken
Und schatticht grüne Wälder?
Find’t man auch treue Freunde,
Die, wenn der kalte Winter
Auf Berge und in Täler
Sein stäubend Silber streuet,
Mit lustigen Gesprächen
Die lange Zeit verkürzen?
Und leert man dann auch Gläser
Mit schönem frischen Moste?
Sind dort auch art’ge Schwestern?
Und denken sie auch weislich,
Wie uns’re besten Schönen?
Trinkt Doris in dem Monde[4] 
Das Glas, so ich ihr fülle?
Und trinkt sie auch so ofte,
Als ich’s ihr werde füllen?
Denn wolt’ ich wohl noch tauschen
Mit jenen fernen Welten.

Sind’s aber lauter Weise
Wie du, geliebter Lehrer!
So bleib’ ich mit Vergnügen
Auf meinen itz’gen Wohnplatz
Und wähle mir die Stille
Und meines Freundes Küsse,
Womit er mich ergötzet
Und allen Gram vertreibet:
Denn leer’ ich meinen Becher
Und lass’ ihn wieder füllen;
So bin ich weit beglückter
Als Könige und Fürsten;
Und will nicht die beneiden,
Die dort in jenen Welten
Die Liebe nicht empfinden
Und bei der Weisheit dursten.

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[1]     Wiederum sind Fontenelles Unterhaltungen über die Vielzahl der Welten gemeint.

[2]     Der Küster ist der Kirchendiener, der für die Sauberkeit der Kirche und die reguläre Durchführung des Gottesdienstes zu sorgen hat. Er wird gelegentlich als eine besonders sittenstrenge oder pedantische Person persifliert.

[3]     Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) war einer der Gründerfiguren und Überväter für die anakreontischen Dichter, auch als ‚deutscher Anakreon‘ bekannt.

[4]     Doris ist ein beliebter Name für anakreontische Schäferinnen.

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Frauenlob 


Woman was not composed of any inanimate or vile dirt, but of a more refined and purified substance, enlivened and actuated by a Rational Soul, whose operations speak it a beam, or bright ray of Divinity. Man was taken out of the Earth, which of its own nature, with the co-operation of Celestial Influxes, is wont to bring forth living creatures: but Woman, above all influence of the Heavens, or aptitude of Nature, without any assisting virtue, or co-operating power, was formed miraculously, by god himself, out of that ribb taken from dormant Adam's side, whereby Man became maim'd and imperfect; and thence ever since, as a needle that hath suffered the magnetick touch, stands alwayes trembling till he looks full on its beloved North, so he can never rest, till by taking a woman, and incorporating her with himself, he retreive that loss, and render himself again intire and perfect.

Heinrich Agrippa von Nettesheim, Von dem Vorzug
und der Fürtrefflichkeit des weiblichen Geschlechts vor dem männlichen


What has literature, what has fiction to offer concerning mother-love, or even concerning father-love, as compared to this vast volume of excitement about lover-love? Why is the search-light continually focused upon a two or three years space of life? Why indeed, except for the clear reason, that on a starkly masculine basis this is his one period of overwhelming interest and excitement. 

Charlotte Perkins Gilman, The Man-Made World

You know an anthill is nothing but a nursery. And how about bees? Don't they manage to cooperate and love one another? Just show me a combination of male creatures, bird, bug, or beast, that works als well, will you? Or one of our masculine countries where the people work together, als well as they do here! I tell you, women are the natural cooperators, not men!

Charlotte Perkins Gilman, Herland

Und es ist vermutlich, daß von Anfang an der menschlichen Gesellschaft das Frauenzimmer dem Mannsgeschlecht an Kunst und Tugend müsse überlegen gewesen seyn, weil fast in allen Sprachen alle Tugenden und Künste weibliche Namen haben, auch allemal weiblich gebildet, über dies weibliche Gottheiten denselben vorgesetzt worden.

Sigmund von Birken, Ansprache an den Leser,
in: Catharina Regina von Greiffenberg, Geistliche Sonette 

You see they who are born with Strength and Courage, and ordinarily, the weak have a stronger instinct, and come nearer to Reason than those to whom Nature hath given other Advantages. Judge you then, according to this order, since Nature has given more Strength and more Courage to Men than to Women, it should have also given more Spirit and Judgement to us. 

Madeleine de Scudery, Les Femmes Illustres

It would be a thousand pities if women wrote like men, or lived like men, or looked like men, for if two sexes are quite inadequate, considering the vastness and variety of the world, how should we manage with one only? Ought not education to bring out and fortify the differences rather than the similarities? For we have too much likeness as it is. 

One has a profound, if irrational, instinct in favour of the theory that the union of man and woman makes for the greatest satisfaction, the most complete happiness. […] And I went on amateurishly to sketch a plan of the soul so that in each of us two powers preside, one male, one female; and in the man’s brain the man predominates over the woman, and in the woman’s brain the woman predominates over the man. The normal and comfortable state of being is that when the two live in harmony together, spiritually cooperating.

Viriginia Woolf, Modern Fiction 

 To be serious, and to quit the Allusion before it be worn thread-bare, I am of Opinion, that Women, that is, Women of Sense and Education (for to such alone I address myself) are much better Judges of all polite Writing than Men of the same Degree of Understanding; and that ’tis a vain Pannic, if they be so far terrified with the common Ridicule that is levelled against learned Ladies, as utterly to abandon every Kind of Books and Study to our Sex.

David Hume, Essays Moral, Political, and Literary

 Unsere Herrschaft über die Frauen ist eine wahre Tyrannei; sie haben uns diese Herrschaft nur ergreifen lassen, weil sie sanftmütiger sind als wir und daher mehr Menschlichkeit und Vernunft besitzen. [...] Aber das ist wirklich eine Ungerechtigkeit: Wir wenden alle möglichen Mittel an, um ihnen den Mut zunehmen; wenn die Erziehung die gleiche wäre, wären auch die Kräfte gleich. 

Montesquieu, Persische Briefe  

 

Ich werde immer mehr irre in meiner Naturgeschichte des Menschengeschlechts, und die Vorzüge, die ich sonst den Männern allein eigen glaubte, gehen mir fast täglich mehr auf die Weiber über. Es ist doch seltsam, daß dermalen wohl schwerlich ein Prinz in Europa lebt, der entschiedene Vorzüge vor seiner Gemahlin haben sollte; und bey den meisten ist es gerade umgekehrt.

Die Kunst zu leben (eine nicht überall genug geschätzte Kunst) gehet ihnen, nebst der Kunst sich zu betragen, für andere und für das Allgemeine zu ordnen und zu sorgen, meist immer ab, und deshalb sind sie unfähig, gut zu regieren. Alles dieses ist dem weiblichen Geschlecht eigener, und sie haben den Vorzug, dem menschlichen Geschlechte nützlicher zu seyn, das durch sie glücklicher wird.

Brief Karl Ludwig von Knebels an Christoph Martin Wieland, 17. Mai 1789 


  Ich behaupte, die Natur erschöpft sich bei der Geburt großer Männer nie so sehr, daß sie nicht für jeden großen Mann wenigstens Eine große Frau in die Welt setzen sollte – wiewohl ich gerne gestehe, daß sie mit beiden nicht sehr verschwenderisch ist. 

Brief Christoph Martin Wielands an Elisabeth zu Solms-Laubach, 16./19.3.1810 

 

Your Quotations put me in Mind of the Fable of the Lion and the Man. The Man walking with that noble Animal, showed him, in the Ostentation of Human Superiority, a Sign of a Man killing a Lion. Upon which the Lion said very justly, We Lions are none of us Painters, else we could show a hundred Men ruled by Lions, for one Lion killed by a Man. You Men are Writers, and can represent us Women as Unbecoming as you please in your Works, while we are unable to return the Injury. You have twice or thrice observed in your Discourse, that Hypocrisy is the very Foundation of our Education; and that an Ability to dissemble our affections, is a professed Part of our Breeding. These, and such other Reflections, are sprinkled up and down the Writings of all Ages, by Authors, who leave behind them Memorials of their Resentment against the Scorn of particular Women, in Invectives against the whole Sex. 

aus: The Spectator, March 13, 1711

 


Die Karyatiden sind weibliche Figuren der Architektur mit tragender Funktion. Die Bezeichnung der ebenbürtigen männlichen Skulpturen ist logischerweise weitaus bekannter, sie werden als Atlanten bezeichnet. Die Karyatide trägt nun im Unterschied zum Atlanten, der die Hände zur Unterstützung neben dem Haupt hochhält, die Last frei auf dem Kopf. (...) Die Last der Welt trägt also der Kopf der Frau, während die Männer sich damit abmühen, ihre im Vergleich zur Tierwelt äußerst degenerierten Muskeln spielen zu lassen. Und dabei machen sie soviel Lärm, der den Frauen das Danken verunmöglichen würde, hätten diese nicht die menschenrettende Gabe, selbst bei größtem Kindergeschrei Ruhe bewahren zu können!

Thomas Raab, Der Metzger muss nachsitzen

 

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